Kim Vegan Wonderland: Wenn die Prinzessin vom eigenen Imperium zurückgeschlagen wird

linksunten hat gestern einen Artikel veröffentlicht, in dem die (privaten) Facebook-Verwicklungen von Kim “Vegan Wonderland” Kalkowski kritisch unter die Lupe genommen und allerlei fragwürdige Verbindungen aufgedeckt wurden. Kim Vegan Wonderland ist auch mir als Nicht-Veganerin ein Begriff – durchaus mit Interesse verfolg(t)e ich Ihre Geschäftsaktivitäten des Dortmunder Cafés “”Cakes’n’Treats”, dass sich vor allem im Internet als sehr heimeliges Szene-Etablissement mit liebevollen Food-Kreationen in Szene zu setzen wusste. Vor allem via Web, insbesondere auch auf Facebook

Nun scheint es, dass ausgerechnet das Netzwerk, das unter anderem dazu beitrug Vegan Wonderland und das von Kalkowski betriebene Café bis über die Dortmunder Grenzen hinaus so populär zu machen, der veganen Fee einen herben Schlag verpasst: Schließlich waren es die Connections ihres Privatprofils, die die Schreiber_innen bei linksunten aufhorchen ließ.  Bis in italienische, einschlägig rechtsextreme Personenkreise lassen (bzw.: ließen) sich Kalkowskis bestätigte Requests zurückverfolgen – allein, zu klären wie es dazu kam ist bisher nicht möglich. Kalkowski reagierte bereits mit einem Statement auf ihrer offiziellen Facebook-Präsenz – dabei handelt es sich allerdings um eine Erklärung, die nicht wirklich zufrieden stellen kann:

“Statement: Entgegen jeglicher Behauptungen bin ich weder faschistisch oder nationalistisch oder rassistisch. Viele von euch kennen mich und wissen das dies nicht stimmt. Ebenso ist es nicht wahr das mein freund Nazi sei. Er ist anarchistischer Skinhead, mit anarchistischen Tätowierungen. Genauso wie viele von euch prüfe ich nicht jedes Bild der Personen.”

“Genauso wie viele von euch prüfe ich nicht jedes Bild der Personen.” Das ist nachvollziehbar, natürlich, vor allem wenn es sich um eine Person des öffentlichen Lebens handelt, die nicht jeden Kontakt – allein schon aus Zeitgründen – en Detail prüfen kann. Aber, aber: Kim Vegan Wonderland ist durchaus eine Person mit Medienkompetenz, die zumindest für ihre geschäftlichen Zwecke sehr clever mit der Plattform hantiert. Eigentlich ist also davon auszugehen, dass sie weiß was sie tut. Zudem ist sie eine Person des öffentlichen Lebens, die sich, wie linksunten folgerichtig feststellt, immer wieder damit gerühmt hat, dezidiert “antifascist” zu sein.

“Worte, an denen Kim Kalkowski sich messen lassen muss”, wird dort festgehalten – es scheitert. Was nun? Ist Kim Kalkowski eine Ideologin, die mit antifaschistischen Lippenbekenntnissen  einer ganz perfiden Strategie folgte? Oder ein Naivling im Internet, dem der “Freundschaftsanfrage beantworten”-Button zum Verhängnis wurde? Genau festhalten lässt sich bisher nichts, außer, dass die Geschäftsfrau äußerst unglücklich auf die Vorwürfe reagiert und damit nur zum Ausdruck bringt, dass sie weder die Brisanz der Vorwürfe, noch die politische Ausrichtung diverser antifaschistischer Auftraggeber, die sie als “linke Unterstützerin” des Öfteren mit Catering versorgt hat, wirklich verstanden hat.

Nun kann man sagen, dass man Kalkowski, ihres Zeichens vor allem mit der Herstellung veganer Spezialitäten und deren Vermarktung beschäftigt, nun durchaus nicht abverlangen könnte, sich als politisch versiertes Subjekt im öffentlichen Raum zu bewegen. Diese Annahme halte ich für falsch, da sich die politische Komponente ihrer Aktivitäten auch schon in der Kommunikation ihres Anliegens und ihrer Geschäftsphilosophie äußert. Heißt: Gerade von ihr sollte eine Sensibilität für politische Themen vorhanden und sichtbar, wenn nicht sogar transparent sein. Auch, da sie sich als Aushängeschild einer Community inszeniert, die (leider) oft genug mit Anfeindungen, Witzchen und Vorurteilen konfrontiert wird.

Und was am Ende bleibt? Die Erkenntnis, dass nicht jede schöne heile Welt ein Wonderland ist, sondern Bekenntnisse als leere Worthülsen sich manchmal zunächst auf ganz banale Weise enttarnen lassen – am Ende mit so etwas Ordinärem wie einer Facebook-Profilanalyse.

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Nachtrag:

Kim hat inzwischen auf ihrer offiziellen Facebook-Präsenz ein weiteres ausführlicheres Statement veröffentlicht, nachzulesen hier.

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Nachtrag II:

Hier der Comment zum linksunten-Artikel von Ralf Kalkowski, Geschäftspartner von Kim Kalkowski:

“Stellungnahme VeganWonderland – Ralf “Kalle” Kalkowski
Created by: Ralf “Kalle” Kalkowski. Created on: Wed, 28.11.2012 – 22:36.
Vielen Dank an den Autor für die Mühe der Recherche.
Leider war sie in Sachen Lebensumstände etwas mangelhaft. Wir sind noch verheiratet – aber seit langem getrennt lebend und jeweils mit neuen Partnern. Die Geschäftsbereiche sind weitestgehend getrennt, so dass ich mich um den VeganWonderland-Versand und den Vegilicous Shop kümmere und Kim das Cafe, die Torten und Caterings betreut. Auf absehbare Zeit wird das auch komplett getrennt werden. Das ist aber nicht mal eben so machbar. Vor allem, da wir noch verheiratet sind und ich kein Interesse daran habe durch eine überstürzte Aufteilung alles den Bach runtergehen zu lassen und im schlimmsten Fall schließen zu müssen. Dafür habe ich zuviel Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern, die ich ungern in die Arbeitslosigkeit schicken möchte. Es wurde überlegt irgendwie weiterhin zumindest unter der “Dachmarke” VeganWonderland zusammen zu arbeiten, aber unter den aktuellen Umständen kann ich das ausschließen.
Ich möchte auch klarstellen, dass das VeganWonderland und seine Mitarbeiter antifaschistisch sind und auch bleiben werden.
Was bei Kim los ist weiss ich nicht, da wir privat nichts mehr miteinander zu tun haben, und über die Menge der offenbar gut recherchierten restlichen Fakten im Artikel bin auch ich erstaunt.
Ich bin selbst auf Kim’s Äusserung dazu gespannt, da sie – von mir darauf angesprochen – meinte es seien Zufallsbekanntschaften gewesen und sie hätte sich die Fotos nicht angeschaut. Da ging es um die beiden genannten Brüder, da mir Bilder von diesen zugesandt wurden.
Viele Grüße,
Kalle”
Getaggt mit ,

17 Gedanken zu “Kim Vegan Wonderland: Wenn die Prinzessin vom eigenen Imperium zurückgeschlagen wird

  1. monodromie sagt:

    nun, wenn ich das kurz bemerken duerfte: die Tatsache, dass ‘anarchistische Skinheads’ durchaus ein ambivalentes Verhaeltnis zu Rechtsextremen haben, duerfte weithin bekannt sein, ebenso die Tatsache, dass der Veganismus bis in seine philosophischen ‘Speerspitzen’ hinein von rechtsextrem-kompatibler Demagogik durchsetzt ist. Ich kann nicht zaehlen, wieviele vegane Rassisten ich allein auf okcupid angetroffen habe, immer mit ‘linken tattoos’ etc. In sofern muss man sich hier doch schon etwas on der offenbarem Erstauntheit wundern. Leute, die Rechtsradikale in Kreuzberger Food-Coops dulden und gleichzeitig viel lieber von gebeutelten Bienchen reden und Honigresten in Broten Alarmstatus zuordnen, sind mir auch bestens bekannt.

    • bigmouth sagt:

      das problem ist aber offenbar weniger durch ihren hang zu veganismus als zur oi-skin-subkultur entstanden. das scheint doch ne ganz klassische grauzonen-geschichte zu sein.

      • monodromie sagt:

        ‘offenbar’. Woher weisst du das so genau? Ich frage mich wirklich wie lange die ‘linke’ Szene die Regression und ziemlich spiessbuergerliche Menschenverachtung noch unkommentiert passieren lassen will, die seit Jahrzehnten unter dem label ‘Fortschritt und Moral’ von Veganern produziert wird. Die Wahrheit ist doch, dass ‘Punk von rechts’ und dieses Phantasma, vor allem menschliche Beduerfnisse wuerden den Planeten/’die Natur’ zerstoeren, der Mensch sei in allem ‘zuviel’, bestens harmonieren. Schon bei nominal ‘linken’ Punks pflanzt sich mitunter der Menschenhass ihrer Blockwarteltern auf eine Art fort, aber lassen wir das an dieser Stelle.

  2. Dr.Durchblick sagt:

    @monodromie:
    Hier scheint ein gewaltiges Missverständnis vorzuliegen. Veganismus schließt Rassismus per Definition aus. Ein Veganer _kann_ kein Rassist sein. Ebenso wie ein Menschenrechtler kein Rassist sein _kann_. Menschenrechte schließen Rassismus aus.
    Man muss hier unterscheiden zwischen Menschen mit einer Diät, die evtl.(!) vegane Schwerpunkte hat und Veganismus. Rassisten sind keine Veganer, Punkt. Auch wenn einer das behaupten mag.

    • shehadistan sagt:

      Wenn das so einfach wäre, was wäre die Welt schön…
      Im Übrigen finde ich, der Verlag hat ein gutes Statement veröffentlicht:

      “Rechten Tendenzen muss auf allen Ebenen entschieden entgegnet werden. Eine vermeintlich unpolitische Haltung, die Rechtsoffenheit impliziert, lehnen wir ebenfalls strikt ab.”

      http://www.compassionmedia.org/stellungnahme-zu-den-vorwurfen-gegen-kim-kalkowski/

      • Marco sagt:

        “Wenn das so einfach wäre, was wäre die Welt schön…”

        Es *ist* so einfach. Jemand, der Frauenrechte ablehnt, kann auch kein Menschrechtler sein. Unglaublich, wie simpel das ist, nicht wahr? Ein Tipp für’s nächste Mal: Sich einfach zuerst mal informieren, was Veganismus überhaupt bedeutet, das kann vor Peinlichkeiten bewahren.

      • shehadistan sagt:

        Funzt ja super wie man merkt.

      • Marco sagt:

        Bei Dir offenbar nicht, nein. Da Du Dir anscheinend noch immer nicht die
        Mühe gemacht hast, Dich zu informieren (wieso auch, man kann ja trotzdem drüber schreiben, nicht wahr?), hier ein kleiner Gratisunterricht: Veganismus bedeutet, vermeidbares Leid zu vermeiden. Daraus folgt (jedenfalls für Leute, die eins und eins zusammenzählen können), dass menschenverachtende Ideologien *per Definition nicht vegan* sind. Ich weiß, es ist äußerst kompliziert…

    • bigmouth sagt:

      oh je, welche “Definition” von Veganismus soll denn das bitte sein?

      http://de.wikipedia.org/wiki/Kein_wahrer_Schotte

  3. [...] Nein. Warum, also anstelle sich zu entblöden was zum Beispiel ein Ad Hominem Anschlag ist, distanzieren sich jetzt tatsächlich Veganer, darunter ihr Exmann? [...]

  4. Mathias sagt:

    Im auf Indymedia habe ich folgenden Flyer zum Thenma gefunden.
    http://media.de.indymedia.org/images/2012/12/xxxxx.jpg (Anm.: nacheditiert)
    http://media.de.indymedia.org/images/2012/12/xxxxx.jpg (Anm.: nacheditiert)

    Ziemlich geschmacklos wie ich finde.

    • shehadistan sagt:

      Oh, schlimm. Geht gar nicht. Totaler Trigger und jenseits von allem. :/

    • shehadistan sagt:

      Ich hoffe irgendwer zensiert da diesen sexistischen Kackscheiß. Ich werd den Link übrigens hier verkürzen müssen weil ich auf sowas hier nicht verlinken möchte, aber danke für den Hinweis was für ein ekliges sexistsiches Ausmaß wir da nun erreicht haben.

  5. Beathe sagt:

    Könnte vllt ein Permanentlink für die Stellungnahme verwendet werden?
    https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=538670029478470&id=257119117633564

    Wenn die schon nicht direkt herrein kopiert wird.

  6. Jens sagt:

    Das ist doch scheisse.Die Frau soll man in Frieden lassen.Ich meine Sie macht sehr viel Öffentlichkeitsarbeit für eine vegane Lebensweise.

    • ich sagt:

      @Jens: Nein sollte man nicht! mittlerweile ist die Sache ja schon fast 1 Jahr her und nach 2 Wochen hatte Frau Wunderland ja auch wieder Ruhe vor dem shitstorm. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie Umgang mit Neonazis pflegt und in England unbehelligt auf Neonazikonzerte geht.

      Es gibt auch in der Neonaziszene genügend “Umweltschützer” [Stichwort: Umweltschutz=Heimatschutz].

      Daher war die Aufdeckung der Kontakte, die auch, entgegen der ursprünglichen Behauptungen, KEINE Zufallsbekanntschaften waren sinnvoll und wichtig.
      Schliesslich trieb sich Fr. Kalkowski zu diesem Zeitpunkt ja auch unbehelligt in der linken Szene in Dortmund herum.

      Natürlich ist es Ihr Bier, aber ich zum Beispiel möchte mit Leuten, die mit Neonazis auf Konzerte gehen und mit Neonazis, die europaweit vernetzt sind zusammen sind, definitiv nichts zu tun haben.

      Entsprechend habe ich seit dieser Geschichte den Kontakt zu Fr. Kalkowski (im realen Leben) abgebrochen…

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