Schlagwort-Archive: Rassismus

tazlab, oder : So wird sich in die Scheiße geritten

[Vorab: Dieser Text ist wahrscheinlich nur für die Menschen verständlich, die halbwegs Durchblick haben betreffend dieser neverending tazlab-Story des vergangenen Wochenendes. Für alle anderen habe ich heute leider kein Foto - es sei denn, sie haben Bock sich nochmal durch ein paar Verlinkungen im Text zu quälen. Eine Nachlese zu den Vorfällen gibt es zum Beispiel hier und hier (Obacht!) und hier und hier und hier und hier.]

Ich empfehle also spätestens nach der letzten Woche eigentlich so ziemlich allen Menschen, die rassifiziert und somit von Rassismus betroffen sein könnten, ab sofort Abstand zu nehmen von Einladungen der (Mainstream)-Presse zu Veranstaltungen, die irgendwie was mit “Political Correctness”  oder Rassismus oder sonstwas in dieser Richtung zu tun haben könnten. Eingehende Mails würde ich ab sofort jederzeit löschen, Briefe in die Tonne werfen, Krone richten, weitergehen. Warum? Darum. Weiterlesen

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Femen: Bedürfnisstättenbewegung des neuen Hipster-Sexism, inklusive Antisemitismus und Rassismus

Flickr (c) Orin Zebest

Flickr (c) Orin Zebest

Fand ich sie bisher nur höchst problematisch, kann ich nun nach der letzten Aktion einfach nur sagen, dass es sich beim Phänomen “Femen” tatsächlich und offensichtlich anscheinend nur um Pseudo-Feminismus handelt, der offen mit rassistischen, anti-semitischen, hetero-normativen und sexistischen Mitteln sowie Elementen des Male-Gaze rumhantiert. Und dabei noch ganz stolz auf sich ist. Fail auf ganzer Linie. Muss es mich wundern, dass die Femen unter anderem Lieblingskinder der EMMA sind? Wohl kaum.

Einen sehr wichtigen offenen Brief verfassten dankenswerterweise die Kolleg_innen von E*vibes – für eine emanzipatorische praxis:

“Im Zuge ihrer Kampagne “Fickt die Sexindustrie” machten vergangenen Freitag die Femen auf der Herbertstraße in Hamburg auf sich aufmerksam. Der Vergleich zum Dritten Reich ist kaum verkennbar, zieren doch sogar Hakenkreuze einige der Fotos im Internet. Ein ausführliches Statement? Fehlanzeige. Und so häufen sich nun die Fragen. Femen Germany haben bereits 1.714 sogenannte Facebook-Likes. Die allgemeine Gruppe Femen zählen sogar 80.414. Grund genug für uns zu fragen wer sind die Femen, wofür stehen sie und welche Botschaften wollen sie uns vermitteln? Folgenden offenen Brief haben wir formuliert. Weiterlesen

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Liebe Mely Kiyak!

Flickr (c) Bilal Kamoon

Flickr (c) Bilal Kamoon

Entweder, man will sich gegen rassistische Gewalt in Deutschland engagieren, oder man verzichtet auf Kolumnen, die sich engagiert für den Erhalt rassistischer Sprache – und dann auch noch in Kinderbüchern – einsetzen. Weiterlesen

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Toastbrot, Toastbrot. Und über Kinderbücher, Freundschaft und Rassismus

Flickr (c) dbgg1970

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Warum auch immer haben seit einigen Tagen Menschen Probleme mit Otfried Preußlers Entscheidung, seine Bücher einer zeitgemäßen, nicht-rassistischen Sprache anzupassen. Es geht zum Beispiel um das Wort, mit dem der Feuilleton jetzt wie von der Tarantel gestochen um sich schmeißt, und im gleichen Atemzug das Hinaufziehen alter böser verbietender Zeiten beschwört. Das Ganze wird dabei oft gezwungen witzig verpackt, damit man sieht, wie ewiggestrig die Befürworter der Änderungen sind, und wie pfiffig-originell-unterhaltsam-lebensfroh die Freiheitskämpfer, die sich für die Rettung der Originalsprache einsetzen. Weiterlesen

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Über Gewalt, Komplizenschaft und Racial Profiling

Flickr (c) bitmask

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Racial Profiling. Schon mal gehört? Racial Profiling ist das, was Polizei-, Einwanderungs-, Sicherheitsbeamte dann machen, wenn sie Personen aufgrund der Kriterien wie ethnischer Zugehörigkeit, Religion, nationaler Herkunft, phänotypischer Merkmale (also Aussehen) kontrollieren. Im Zug, zum Beispiel. Es geht dabei nicht um Verdachtsmomente, die dem Personenverhalten zuzuordnen sind, sondern um Identitätskontrollen und Durchsuchungen ohne konkretes Indiz durch die Bundespolizei. Interessiert Dich nicht? Vielleicht, weil es Dir egal ist.

Racial Profiling ist institutioneller Rassismus. Racial Profiling ist möglich, weil die personale Vermittlung dieser Art von rassistischer Gewalt legitim ist. Es ist per se keine körperliche Gewalt (obschon möglich), es ist eine symbolische, auch eine strukturelle: Eine Sanktionierung, die vordergründig nicht weh tut. Vordergründig wie gesagt. Eine Gewalt, oft verkannt und damit anerkannt, und eine, die hilft, die herrschende Sicht der sozialen Welt zu legitimieren. Eine Gewalt, die vermittelt: Ich darf Dich anders behandeln weil “wir” finden dass Du “anders” bist. Interessiert Dich nicht? Du wirst wahrscheinlich nie davon betroffen sein.

Racial Profiling ist nur einer der vielen Grundpfeiler der symbolischen Herrschaft des vom Staat legitimierten Rassismus in unserem Land. Die Gewalt, die durch das Racial Profiling vermittelt wird, braucht – und hat – Komplizenschaft. Interessiert Dich nicht? Hast Du Dich schon mal gefragt, ob Du ein Komplize bist?  Weiterlesen

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Die EMMA und die idealen Leser_innen

Flickr (c) jepoirrier

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Die EMMA fügt sich mal wieder ein in die Reihe des “Angst essen Seele auf”-Schreibertums und arbeitet sich an Mädchenmannschaftsphantasien ab. Stephen King hielt in “Das Leben und das Schreiben” fest, dass er seine Texte immer für die – seiner Meinung nach – idealen Leser_innen verfasst. Ich weiß nicht wie die idealen EMMA-Leser_innen aussehen, und eigentlich möchte ich es manchmal auch gar nicht so genau wissen. Ich weiß aber, wie ich mir meine idealen Leser_innen bei der Mädchenmannschaft vorstelle.

Damit meine ich nicht, dass ich irgendwem den Mund verbieten will, oder meine Gedankendiktatur ausbreiten möchte. Sondern, dass ich schreibe, um die Leute zu erreichen, die vielleicht Sachen schon mal so gedacht haben wie ich. Oder die Leute, die sich dieselben Fragen stellen. Und wenn ich drei, vier, fünf erreiche, dann ist das schon gut. Drei-, vier-, fünfhundert werden weiterhin gern das Magazin von Alice Schwarzer lesen. Weiterlesen

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Critical Whiteness und das Ende der Sektstimmung

Katrin Rönicke betreut beim FREITAG ihre Bildungskolumne. Dort hat sie just ein Buch vorgestellt, das sie einige Zeit beschäftigt hat: Noah Sows “Deutschland Schwarz Weiß”. Sows Buch entfaltet das Thema “Alltagsrassismus” anhand vielzähliger und diverser Beispiele – es ist ein Buch, das keinen methodologischen Regeln im akademischen Sinne folgt. Und das muss es auch nicht. Das Werk bewegt sich außerhalb des Paradigmas, das institutionalisiertes Wissen nur mit dem exakten Stempel durchwinkt. Und das ist wahrscheinlich sehr gut so. Die Empirie ist stark, und es gelingt aufzuzeigen, wie sehr Rassismus und Alltagsrassismus sämtliche unserer Strukturen durchziehen: Mikromechanismen werden sichtbar. Es wird klar, dass Rassismus in unserem Land kein Problem irgendeines Zentralapparates ist, der sich mit einer bestimmten Intention für seine Ausübung entscheidet, sondern dass er in jeder Ecke unserer Gesellschaft heimisch ist. Ü-ber-all. In jeder Faser des Alltags. Weiterlesen

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Schulternklopfen für die Opfer

[Anmerkung: Wir - accalmie, Sabine und Nadia - haben den vorliegenden Text gemeinsam verfasst, um nochmal für uns die MMwird5-Vorfälle und deren Nachwirkungen zu rekapitulieren. Wir sind, falls das so gelesen werden könnte, nicht "die Stimme der QT*PoC" oder von sonstwem. Wir sprechen nur für uns - weder für alle WoC noch PoC, die auf der MMwird5-Party anwesend waren, noch für alle anderen.]

Ironie schlägt oft dann zu, wenn man sie am wenigsten erwartet – das gilt zugleich für die MMwird5-Party letzten Samstag, als auch für deren “Nachspiel” der vergangenen Tage.

Ironie Eins schlug zu, als die sich selbst als anti-rassistisch und rassismus-kritisch verstehende Mädchenmannschaft (MM) auf ihrem ebenso definierten und postulierten Event den Sl*twalk Berlin einlud, und im Zuge dessen auf (zu erwartende) rassistische “Vorfälle” nicht adäquat reagierte, geschweige denn selbst daran dachte, sich bei Panelist_innen und Künstler_innen auch mal persönlich zu entschuldigen - und zwar dafür, dass eine Situation hergestellt und geduldet wurde, die den Abbruch der Diskussion, Sows Absage ihres Konzerts und ein Spontan-Panel von WoC nach sich ziehen musste. Ein Spontan-Panel, das für alle überraschend kam, und das wir Bullshit-Bingo genannt haben: Bingo mit Herzblut. Das Podium war eine nachträgliche Intervention, weil der Raum dafür zuvor nicht vorhanden war.

Ironie Zwei hingegen schlug in den letzten Tagen zu, als wir, drei der fünf WoC-Panelistinnen beim Event und selbst Mädchenmannschafts-Autorinnen mit unterschiedlichen Involviertheitsgraden, uns dann mit grundlegenden Problemen von “calling out”-culture und Stellvertreter_innen-Antirassimus konfrontiert sahen bei vielen der Reaktionen auf die unbestrittenen Fails bei der MMwird5-Party und den ersten Reaktionen der MM auf diese. Wie auch die nun veröffentlichte Stellungnahme und Entschuldigung weißer MM-Autorinnen erwähnt: die MM ist nicht die weiße Einheitsfront, zu der sie in den letzten Tagen stilitisiert wurde.

Noch wichtiger: Mit der Annahme, man könne für “die armen PoC” bei der Mädchenmannschaft oder sonstwo sprechen als weiße Person, sind keine Kekse zu gewinnen. Ein_e weiße_r Antirassismus-Verbündete_r zu sein bedeutet nicht, zu glauben, für PoC sprechen zu können, sondern Unterstützer_in zu sein und – besonders hier elementar – sich auch an die eigene Nase zu fassen.  Doch die eigene Nase ist nur schwer erreichbar, wenn man primär mit dem Bauchreden für Andere beschäftigt ist. Weiterlesen

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Buschkowsky: Die Stimme des Blutes deines Bruders

Heinz Buschkowskys Vorabdrucke aus seinem offen rassistischen Buch “Neukölln ist überall” werden derzeit in der BILD-Zeitung abgedruckt. “Wo bin ich denn hier eigentlich? Ist das noch meine Stadt, meine Heimat?”, fragt sich Buschkowsky. Ja, möchte ich sagen, das ist Deine Heimat, und meine auch, und das was Du sagst haben schon viele vor Dir gesagt, und sie haben sich damit sogar sehr heimelig gefühlt.

“Wir erziehen unsere Kinder zur Gewaltlosigkeit. Wir ächten Gewalt in der Begegnung und bringen das unserem Nachwuchs bei. Andere bringen ihren Jungs bei, stark, tapfer und kampfesmutig zu sein. Die Ausgangssituation ist einfach ungleich.”

Ich lese so etwas, und ich wundere mich nicht. “Im Zweifel gilt es, der ethnischen Schwester und dem ethnischen Bruder zu helfen.” Auch darüber wundere ich mich nicht. Ich denke: “Vox sanguinis fratris tui clamat ad me de terra.” Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.

Buschkowsky ist 1948 geboren. Ich kam 1980 auf die Welt. Als er 1991 das erste Mal Bezirksbürgermeister wurde, wurde ich von meiner Klassenlehrerin im Unterricht nach vorne gebeten, damit ich erklären sollte, wie ich mich zum Irak-Krieg positioniere. Ich wusste damals nicht, wo der Irak liegt, aber das interessierte die Lehrerin nicht – als ethnische Schwester im weitesten Sinne würde ich ja schon etwas irgendwie Erhellendes sagen können. Ich sagte das, was jede_r meine_r Klassenkameraden gesagt hätte, weil wir alle dasselbe Kinderwissen aufgebaut hatten, das Fernsehfetzen hinterlassen. Dass ich Krieg doof finde, und Saddam Hussein auch, und das wusste ich, dass ich nicht mehr zu sagen hatte als meine Altersgenossen im selben Klassenraum, aber ich wusste auch: Wenn ich es sage, ist es etwas anderes, weil ich in den Augen der gesamten Klasse, der Lehrerin, “zu denen” gehörte, gegen die gerade Krieg geführt wird. Weiterlesen

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