Archiv für den Monat April 2019

Dorothy & Angel Haze – Freedom (TROY NōKA Remix)

Kristin Burns

Regie: Lisa Bonet. Executive Producer: Linda Perry und Kerry Brown. Mehr kann man sich für einen Samstagmorgen nicht wünschen!

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Künstler_innen-Shaming in der Musikrezeption und wieso ich meine Mädchenmusik immer lieben werde

Disclaimer: Dieser Text erschien bereits am 8. März 2019 bei den Blogrebellen & ich lade ihn hier nochmal hoch weil ich nach und nach meine Texte crossposte.

Am 8. März 2019 war mal wieder der Internationale Frauen_tag oder auch Frauen_kampftag oder auch feministische Kampftag, je nachdem wie man ihn bezeichnen möchte um sich halbwegs damit wohlzufühlen, und ich war passenderweise in dieser Woche auf genau zwei Konzerten, die für uninformierte Außenstehende wahrscheinlich im Affekt das Prädikat „Mädchenmucke“ oder auch “Frauen-Rock” aufgepappt bekommen. Das ist für mich mittlerweile natürlich ein Gütesiegel, doch das war nicht immer so, und dazu kommen wir später. Seit Jahren knabbere ich immer wieder an einem Thema, das mich schon seit meiner Jugend schwer beschäftigt: Die chronische Unterschätzung und auch Deklassierung von Musik, die nicht cis-male oder white-cis-male-fronted ist. 

Melissa Etheridge spielt im vollgestopften Club, nicht im Stadion

Am Montag erfüllte ich mir einen Kindheits- und Jugendtraum und besuchte das Konzert von Melissa Etheridge im Capitol in Hannover. Etheridge feiert derzeit das 25jährige Jubiläum ihrer Platte “Yes I Am” und spielt aus diesem Anlass dankenswerterweise extra eine der Scheibe gewidmete Tour. Tags drauf ging es direkt weiter nach Köln zum Florence and the Machine-Gig, in eine ausverkaufte Arena, in der es – wenn man untertreiben möchte – zuging wie bei einer spirituellen Messe, nur dass kein Gott und keine Göttin angebetet wurde sondern aus unterschiedlichen aber auch sehr nachvollziehbaren Gründen eben Florence Welch.

Am Montag also waren wir anlässlich Melissa unter lauter Menschen, von denen wie zu erwarten nur sehr wenige Cis-Männer am Start waren (und wenn sie da waren, kamen sie zumeist auch als Hälfte eines Hetero-Paares, also vielleicht gar nicht mal so freiwillig). Während wir mit unseren Radler-Bechern im vollgestopften Capitol standen und versuchten, die hinter uns Schnaps trinkenden und grölenden Karnevalistinnen zu ignorieren um Etheridges Show genießen zu können, kam mir wieder ein Gedanke, den ich seit Jahren immer mal wieder habe wenn es um die Musik von Melissa geht: Die ewige Deklassierung ihrer Musik als “Lesben-Rock”, vor allem auch im deutschsprachigen Raum, obwohl Lesben-Rock aus ziemlich vielen Gründen eine ganz ausgezeichnete Sache ist, aber wenn jemand das Label auspackt ist es ja meistens nie wohlwollend gemeint.

“Like the Way I do”, auch wenn Dich so viele hassen, I`ll always love you!

Zudem stellte ich mir wie so oft zuvor die Frage, warum ein Track wie „Like The Way I Do“ bis heute so kriminell unterbewertet ist – auch, wenn er natürlich mal ein solider Kassenschlager war, von Menschen mit gutem Musikgeschmack durchaus auch geschätzt aber heutzutage zumeist in Schützenfestzelten oder auf meinen Geburtstagsfeiern oder bei Autofahrten mit guten Freund_innen abgespielt wird. Und so sah ich mir also Melissa an und dachte: Warum wirst Du nicht mindestens genauso gehyped wie Bruce Springsteen, wo Du es doch absolut verdienst, Schwester? Vermeintlich objektive Stimmen können nun denn dazu anmerken: Naja, die Zeiten in denen Melissa noch was reißen konnte sind ja nun eh schon laaangeee vorbei, und man muss doch sehen, sie tourt immer noch international, veröffentlicht Platten und hat eine stabile Fanbase, und dennoch nagt immer noch etwas in mir: Melissa, so wurde es mir seit den 1990er Jahren immer wieder gespiegelt, ist sozusagen der Arche-Typus der Rock-Musik spielenden Frauen, die verkannt werden, weil sie sich bestimmten Anforderungen entziehen. Weil sie nicht für den Male Gaze existieren. Weil sie zu homo sind. Weil sie jetzt, 2019, zusätzlich dazu auch noch in die Jahre gekommen sind. 

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