Archiv der Kategorie: Faktotum

Der musikalische Jahresrückblick: Die besten Tracks 2021

Wie immer ohne viel Tamtam: Steigt einfach direkt ein in die Playlist. Ich wünsche Euch das Allerbeste für 2022. Ihr verdient es.

Kein Live-Blog: Zu zweit auf dem Rolling Stone Beach

Nachdem jahrelang (also ganze zweimal, lol) das Rolling Stone Park im Europapark Rust unser Leib- und Magenfestival gewesen ist, hat es uns gestern zum Weißenhäusser Strand verschlagen, um zum ersten Mal dem Rolling Stone Beach beizuwohnen.

Und manch eine_r von Euch erinnert sich vielleicht: 2019 hatten wir als Konglomerat verschiedener Blogger_innen und Instagrammer_innen eine Festival Task Force gegründet, um auf diversen Festivals und Konzerten abzuchecken, wie sicher und komfortabel man sich fühlt. Zum Roskilde Festival (als Auftragswerk der Kolleg_innen aus Dänemark) führte es uns damals, zum Graspop in Belgien und zu Rock in Park, und eben auch zum Rolling Stone Park. Letzteres bekam damals eine Höchstwertung: 10/10 Punkten, gute Atmosphäre, komfortabel ohne Ende, tatsächlich sehr barrierefrei und damals auch für mich als Alleinreisende komplett zugänglich – es gab nicht viel zu meckern.

Die guten Leute von FKP Scorpio machen sich einfach Gedanken und einen prima Job: Das Projekt „Wo geht’s nach Panama“, das 2017 ins Leben gerufen wurde, um Gästen auf den Festivals die Möglichkeit zu geben, niedrigschwellig nach Hilfe zu fragen und in eine sichere Umgebung gebracht zu werden, wenn sie sich aus verschiedensten Gründen unwohl fühlen, ist nach wie vor Bestandteil des Festivalprogramms, und gleichzeitig sorgt das ganze Drumherum einfach für eine Atmosphäre, in der man sich gut und sicher fühlt. Kurze Wege, die Möglichkeit der Unterbringung direkt im Festivalgeschehen (hier: Ferienpark Weißenhäusser Strand), und ein Line Up, dass eher die gemütlicheren Menschen anzieht. Die Rolling Stone Festivals sind halt immer schon angelegt als Mischung aus Wellness und Konzert- und Fressparadies, so dass vor allem Pre-Boomer (so wie wir) sich hier die Klinke in die Hand geben. Alles ist etwas ruhiger, gemächlicher und zwischendurch kann man sich auch mal hinsetzen. Genau das Richtige im Übrigen auch für Menschen, die seit nunmehr 1,5 Jahren nicht mehr im Training sind.

Und doch ist dieses Jahr einiges anders. Corona bringt neue Herausforderungen mit sich. Die auf dem Festival geltende 3G-Verordnung, die Möglichkeit, sich auch draußen aufzuhalten, das grosse Hauptbühnenzelt, das an den Eingängen strategisch gut gelüftet ist, die Weitläufigkeit des Ferienpark-Plazas mit seinen Restaurants und Spass-Angeboten und der draußen aufgebaute Mini-Jahrmarkt mit ein paar Fress- und Trinkbuden sorgen dafür, dass man schon die Möglichkeit hat, die Zeit und Räume so nutzen zu können, wie man sich wohl fühlt.

Tag 1 brachte bisher: Einen wirklich unproblematischen Check In, einen soliden Strandspaziergang, ein vielfältiges kulinarisches Angebot, ein feines Line-Up mit Friska Viljor aus Stockholm als unserem Überraschungshighlight des Abends, und ein zugegebenermaßen sehr früher Feierabend für uns was aber nur an den Nachwirkungen unserer langen Anreise und der frischen Seeluft lag.

Friska Viljor

Tag 2 hatte Line Up-technisch dann auch noch mehr Highlights zu bieten: Kadaver, Tocotronic, Die Sterne, Big Joanie, Kat Frankie… Unsere To-Do-Liste war lang, und wir entschieden uns zum Start für die Lesung von Birgit Fuß, die aus ihrem kleinen, aber feinen „Jim Morrison“ (Reclam) las. Eine lauschige Veranstaltung, die den netten Herren neben uns direkt in einen tiefen Mittagsschlaf versetzte – was nicht an Birgits Lesung lag, denn die war sehr fesselnd. Eher sparte sich vor allem das zum Teil gemütliche Altherren-Publikum mit Vatertagslaune wohl die Energie für den Abend auf.

Birgit Fuß

Ruhig und besinnlich ging es dann bei Cassandra Jenkins für uns weiter, der Singer-/Songwriterin aus New York, die Anfang des Jahres mit ihrer Platte „An Overview on Phenomenal Nature“ positives Aufsehen erregte. Im weissen Pailettenmantel wirkte sie ein bisschen wie die Vorbotin des Christkinds und sorgte – auch wenn anfangs der Sound ein bisschen schepperte – für eine ganz zauberhafte Atmosphäre.

Cassandra Jenkins

Was kann man ansonsten sagen über das erste Festival seit über 1,5 Jahren? Es war ungewohnt mal wieder so vielen Menschen über den Weg zu laufen, vor allem Indoor. Und dennoch: So wie sonst auch auf den Rolling Stone-Weekendern fühlte man sich safe und die gute Organisation um alle Corona-Themen drumherum bewirkten ebenfalls, dass man das Gefühl hatte, guten Gewissens über den Festival-Ground zu schlendern. Wir kommen wieder. Nächstes Jahr dann hoffentlich ohne Corona-Zeitalter.

LP – Goodbye

„And I don’t know why. All I do is try.“ (LP)

Getaggt mit ,

Time to condemn the men

This is a crosspost: I spoke with Jacinta Nandi for „The Left Berlin“ about housework, Rosamunde Pilcher and the joy of living – and cleaning – alone.

Jacinta Nandi and Nadia Shehadeh in conversation about mums, marriage and men. About how housework would be ok if it weren’t for the lazy man in the background. And why cleaning the house is a bit like sex work.

Jacinta: Nadia, I was so happy when you told me you loved my book, “Die Schlechteste Hausfrau der Welt”, – and a little bit surprised, too, if I’m honest. Like, of course, I thought EVERYONE would enjoy my book – I wouldn’t have written it otherwise! But I thought it would appeal more to mums than childless women. So, go on, at the risk of sounding like I’m fishing for compliments – what did you like about it?

Nadia: Well, I think there’s two reasons I loved your book, basically. First of all, I have younger siblings I had to take care of a lot. My youngest sister is nine years younger than me and I practically raised her together with my mum. And the second reason is because I’ve lived together with men! And I often had the feeling that living with cis-males is a bit like having a child.

You know, I moved in with my first boyfriend when I was just 20 years old. Almost 10 years of being exhausted followed. I think this experience was the reason that I decided not to have kids to be honest!

Jacinta: You know, I think it is so weird. We make out like married women are so happy. Like all their dreams came true? At the end of every romantic film, romantic novel, is the woman achieves everything she can possibly dream of: marriage to a rich, Nice Guy. But I just don’t see it. I think the happiest, luckiest, married woman in the world is actually slightly less happy than the unhappiest single mama in the world? Okay, I’m exaggerating a little bit! But the main reasons single mums are unhappy are poverty and stigmatization. When you factor that in, I think single mums are a lot happier than most married women.

Nadia: It is totally weird, isn`t it? When it comes to mental load and care-work, I’d still say it’s a lot easier when you are single. Even when you divide all the work in the household, there is still one person who has to have a plan. And from a sociological view, I would say most of the work is done by the person with the most competence. And when it comes to reality, it is so often the women who have more skills.

Jacinta: But women have more skills at all this stuff – the mental load, remembering doctors’ appointments, ironing sheets, buying Christmas presents – because they have to. Right? Because men just check out, emotionally speaking. You know, it’s totally true what you say about cis-men. They’re just like an extra kid at the best of times – and at the worst of times, they’re really fucking shitty to you.

You know, I really piss my friends off, my single girlfriends, who are, like nearing the end of their fertility days. Because I’m just like – in non-corona times, obviously – I’m just like: go to some club, pretend you’re on the pill, get the best-looking guy there to come inside you and have a fucking baby on your own. And they’re all like: Oh, I couldn’t do it on my own! But I genuinely think, a woman who isn’t prepared to be a single mother shouldn’t imagine she’s prepared to be a mum at all. Because those supportive partners? They become a lot less supportive once the babies are born!

Nadia: I can totally imagine that. I mean, even in Germany, I see so many progressive feminist women praising their partners for basic human behaviour.

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Der musikalische Jahresrückblick: Die besten Tracks 2020

Ein frohes Neues! Und ich sag am besten gar nix dazu was für ein Jahr 2020 war, denn das wissen wir ja alle. Stattdessen gibt es (etwas verspätet), schonungslos und ehrlich, meine liebsten Tracks des Jahres. Schäbig, cheezy, und so ehrlich, dass auch „Jaja Dingdong“ aus dem „Eurovision: The Story of Fire-Saga“-Soundtrack und „I saw a Tiger“ von Joe Exotic nicht fehlen. Denn 2020 war halt einfach so 1 Jahr!

Jill Sobule – Don`t Let Us Get Sick

Passend zur aktuellen Lage: Ein Warren Zevon-Cover von Jill Sobule.

Putzen ist eine Kunst, und Kunst kommt von Können

Eine von oben bis unten geputzte Küche. Fragt nicht wie viele verschiedene Putzinstrumente dafür herangezogen wurden.

Gestern hat die ganz wundervolle Fatma Aydemir einen ganz wunderbaren Text über Hausarbeit veröffentlicht, Ihr solltet ihn unbedingt lesen. In ihm geht es darum, das Putzen im eigenen Haushalt ein Vollzeit-Knochenjob ist. Einer, der neu bewertet werden muss. Einer, der viel zu wenig Anerkennung bekommt. Einer, der auch deswegen immerzu so sehr abgewertet wird, weil „putzen angeblich jede_r kann“. Und letztgenanntes führt m. M. in feministischen Debatten (insbesondere in Hetero-Kontexten) zu der fehlgeleiteten Annahme, eine gerechte Aufteilung der Hausarbeit (vor allem) in (Heten-)Beziehungen sei ganz einfach und mir nichts, dir nichts möglich. Das sehe ich anders: Das klappt nur, wenn Menschen über ein gemeinsames und in den meisten Fällen doch sehr ausgeprägtes Wissensrepertoire verfügen und zudem auch noch dieselben Ordnungsvorstellungen teilen. Ob das immer der Fall ist wage ich zu bezweifeln. WGs scheiteren daran, Paare ebenso. Eltern verzweifeln. Kinder sind genervt. Und das hat alles Gründe.

Dass eine Arbeit von jetzt auf gleich von jedermann gemacht werden kann ohne nennenswertes Vorwissen oder zumindest der Bereitschaft dazu, sich dieses Wissen anzueignen, basiert einfach auch auf der Annahme, dass es sich um Tätigkeiten handelt die jede_r Nichtskönner_in ausüben kann – das scheint fürs Putzen und insbesondere Care-Arbeit zu gelten. Hierin spiegelt sich nichts wider als die pure Verkennung und Abwertung einer Tätigkeit. Das bisschen Haushalt macht sich weder mit links, noch ist es ein Wirkungsbereich für komplett Ahnungslose.

Putzen ist eine Fähigkeit. Wer das nicht anerkennt, der verachtet die Menschen, die (professionell) putzen.

Richtiges Putzen ist eine Fähigkeit, eine, die elaboriertes Wissen und Geschick erfordert, eine Praxis, die auf kollektiven Kulturmustern fußt und ebenso auf individuellen Ansprüchen. Putzen ist nichts, was jede_r einfach so automatisch kann. Putzen ist eine Kunst. Putzen muss man können. Und wer das nicht anerkennt, reiht sich ein in den Reigen der Verachtung von Hausarbeit – eine, die natürlich oft auch patriarchal eingefärbt ist.

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Die besten Silent Vlogs für die Quarantäne

Auf Facebook und Co. hatte ich bereits darauf hingewiesen: Denen, die die Quarantäne weitgehend alleine in ihrer Bude verbringen müssen, empfehle ich Silent Vlogs. Inhalt meist: Alleinstehende Personen, oft mit unfassbar süßem Haustier und karierter Bettwäsche, filmen ihren Alltag. Meine Favoritin: Sueddu aus Korea, aber es gibt auch ein paar andere richtig gute.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir noch…

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir nochmal ganz schnell einen Großeinkauf machen. Und in die Apotheke. Und nochmal zur Post. Da liegt ein Paket das abgeholt werden muss, und sonst wird es ja nach sieben Tagen wieder zurückgeschickt, und das ist ja auch schlecht.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher bestellen wir nochmal alle Mitarbeiter_innen ins Office, damit alle einen Antrag auf temporäres Arbeiten von zuhause ausfüllen können. Wir gehen in Quarantäne, und dass das so ist verkünden wir am besten freitags, damit betreuende Eltern, Angestellte, Selbständige und Co. übers Wochende keine Möglichkeit haben sich für die nächste Woche oder gar die nächsten Wochen zu wappnen – aber jeder Tag zählt, natürlich. Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir noch Dinge er-le-di-gen.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir nochmal in den Buchladen, um ordentlich Lesestoff für die nächsten Wochen zu besorgen. Wir gehen in Quarantäne aber vorher nochmal kurz ins Büro wegen des eines Ordners den wir da vergessen haben – und natürlich wegen dem ganzen Corona-Klatsch und Tratsch.

Wir gehen in Quarantäne aber vorher noch ein Eis essen, das Wetter ist doch grad so schön. Wir gehen in Quarantäne aber vorher noch zu Saturn, die drei Playstation-Spiele besorgen bevor es demnächst richtig langweilig wird.  Wir gehen in Quarantäne, aber vorher noch in den Baumarkt damit wir das Zeug kaufen können das wir für diverse Renovierungsarbeiten brauchen. Wir gehen in Quarantäne, und vorher noch in die Drogerie damit man auch genug Selfcare-Krams zur Hand hat an den langweiligen Quarantäne-Tagen. Wir gehen in Quarantäne, aber vorher nochmal schnell zur Bank um Geld zu ziehen, vielleicht sind die ja auch bald zu.

Wir gehen in Quarantäne, und zwar am besten ab… Naja, wir gehen halt dann in Quarantäne wenn wir vorher alles Wichtige erledigt haben. Vorher geht`s ja eh nicht.