Archiv der Kategorie: Faktotum

Massive Restriktionen in Zeiten von Corona – ein Bericht aus Italien

 

Lechzen nach der Ausgangssperre, Wünsche, dass „der Staat“ und „die Regierung“ endliche eingreifen um „unsere Gesundheit“ zu schützen, dem grundsätzlichen oder auch generellen Zustimmen zu vielen Überlegungen zu gesetzlichen Restriktionen auch von links („Es geht ja nichts anders“, „Die Leute verstehen es ja sonst nicht“, etc. pp.), und insgesamt sind schon die ersten drastischen Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus auf den Weg gebracht (in Sachsen sollen Verstöße gegen die Vorgaben der Behörden sogar mit Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren geahndet werden können, siehe hier). Natürlich ist verständlich, dass Menschen sich einfache und schnell umsetzbare Lösungen wünschen, um die gesundheitliche Bedrohung minimiert zu wissen. Dass dazu das einschneidende Ändern von Grundrechten dabei bei vielen immer noch kaum auf Widerstand stößt, sollte Sorge bereiten.

Nebst der Tatsache, dass viele dieser Restriktionen  nicht nur problematisch bis besorgniserregend sind (die ersten Fälle, wo Verdachtskontrollen in Europa natürlich wieder vor allem marginalisierte Personen treffen sind schon aufgetaucht und dementsprechende bestürzende Bilder und Videos kursieren hierzu schon auf Twitter) – im schlechten Fall bringen sie auch nicht die Effekte, die gewünscht sind.

In Italien gelten seit zehn Tagen bereits massive Restriktionen für das ganze Land. Dass die Folgen nicht nur singende Italiener_innen auf Balkonen oder rührige Internet-Video-Memes sind hat der italienische Architekt und Epidemiologe Andrea Bagnato auf Twitter vermeldet. Ich habe den ganzen Thread zusammenkopiert und ganz unten auch nochmal übersetzt. Es ist bemerkenswert und auch bedrückend. Bitte lest ihn komplett.

Andrea Bagnato@andreabagnato

In Italy it’s been now ten days of nationwide restrictions – the first country in the world to do so. I want to summarise all that is wrong with the current situation, which gets more concerning every day. (longish thread) 1/10

„In Italy it’s been now ten days of nationwide restrictions – the first country in the world to do so. I want to summarise all that is wrong with the current situation, which gets more concerning every day.

60m people have been asked to stay at home for four weeks. No consideration for those who live alone, in abusive relationships, with meantal health issues, or without a computer and an internet connection (yes, there are many). Social and psychological costs not factored in.

Students and pupils of all ages have been at home, in the North of Italy, since February 23. Since March 9, millions of kids and teens can’t see their friends anymore. Online teaching is a utopia for most schools, for lack of basic internet infrastructure.

Workplaces and businesses don’t have to close down – it’s up to individual employers. Many people, from bank clerks to factory workers to delivery people, still have to go to work every day. There is more and more evidence that most contagion is happening on workplaces.

Yet, the dominant narrative is that the virus spreads because people go outside for a run or a bike ride. Walking and exercising has zero epidemiological risk, and is permitted under emergency laws, but has been immediately criminalised by news and social media.

The media amplify the (mostly fake) reports of “excessive crowding”. As a result, most public parks have been shut, meaning there’s even less public space to go to. Many people are proactively reporting joggers to the police.

The vagueness of emergency laws has left it up to administrators and police depts to decide what is permitted. In Bologna, cycling has now been forbidden; in Naples, you can no longer go for a stroll, not even alone.

Commentators and administrators are asking for even “more”, including for the ARMY to patrol the streets. Some ministers have issued open threats: “If you don’t obey the rules, we will make the restrictions even harsher.” Meanwhile, factories and workplaces remain open.

Information from govt and media is abysmal. No explanation on how the virus is transmitted. Many ppl think that the virus is in the air, and that the very act of going outside is a threat. Countless healthy ppl are scared to death, and haven’t been in outside in weeks.

The tally of cases is broadcast live every day on all media, as if it were a sporting competition. Numbers are presented with no context and no explanation. The vast majority of ppl doesn’t understand that today’s cases were infected 2 to 4 weeks ago, as no one explains it.“

 

„Italien hat nun seit zehn Tagen landesweite Einschränkungen – als erstes Land der Welt. Ich möchte zusammenfassen, was an der aktuellen Situation, die von Tag zu Tag beunruhigender wird, falsch ist.

60 Millionen Menschen wurden gebeten, vier Wochen lang zu Hause zu bleiben. Keine Rücksicht auf diejenigen, die allein, in missbräuchlichen Beziehungen, mit gemeinen Gesundheitsproblemen oder ohne Computer und Internetanschluss leben (ja, davon gibt es viele). Soziale und psychologische Kosten werden nicht berücksichtigt.

Studenten und Schüler aller Altersgruppen sind in Norditalien seit dem 23. Februar zu Hause. Seit dem 9. März können Millionen von Kindern und Jugendlichen ihre Freunde nicht mehr sehen. Online-Unterricht ist für die meisten Schulen ist eine Utopie, da es an einer grundlegenden Internet-Infrastruktur fehlt.

Arbeitsplätze und Unternehmen müssen nicht schließen – da liegt es an den einzelnen Arbeitgebern. Viele Menschen, von Bankangestellten über Fabrikarbeiter bis hin zu Lieferanten, müssen immer noch jeden Tag zur Arbeit gehen. Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass sich die Ansteckung vor allem an den Arbeitsplätzen vollzieht.

Doch der vorherrschende Diskurs ist, dass sich das Virus ausbreitet, weil die Menschen draußen laufen oder Rad fahren. Laufen und Sport treiben hat kein epidemiologisches Risiko und ist nach den Notstandsgesetzen erlaubt, wurde aber von den Nachrichten und sozialen Medien sofort kriminalisiert.

Die Medien verstärken die (zumeist gefälschten) Berichte über „übermäßiges Gedränge“. Infolgedessen sind die meisten öffentlichen Parks geschlossen worden, was bedeutet, dass es noch weniger öffentliche Plätze gibt, die man besuchen kann. Viele Menschen melden Jogger proaktiv bei der Polizei.

Die Unklarheit der Notstandsgesetze hat es den Verwaltern und Polizeibeamten überlassen zu entscheiden, was erlaubt ist. In Bologna ist das Radfahren jetzt verboten, in Neapel darf man nicht mehr spazieren gehen, auch nicht allein.

Kommentatoren und Verwaltungsbeamte fordern immer mehr, auch die Armee solle auf den Straßen patrouillieren. Einige Minister haben offene Drohungen ausgesprochen: „Wenn Sie sich nicht an die Regeln halten, werden die Einschränkungen noch weiter verschärft.“ Währenddessen bleiben die Fabriken und Arbeitsplätze zugänglich.

Die Informationen von Regierung und Medien sind miserabel. Es gibt keine Erklärung, wie das Virus übertragen wird. Viele Menschen glauben, dass das Virus in der Luft ist und dass schon das Hinausgehen eine Bedrohung darstellt. Unzählige gesunde Personen sind zu Tode erschrocken und waren seit Wochen nicht mehr draußen.

Die Zahl der Fälle wird täglich live in allen Medien übertragen, als ob es sich um einen sportlichen Wettkampf handeln würde. Die Zahlen werden ohne Kontext und ohne Erklärung präsentiert. Die überwiegende Mehrheit der Menschen versteht nicht, dass die heutigen Fälle vor 2 bis 4 Wochen infiziert wurden, da niemand dies erklärt“.

Die besten Silent Vlogs für die Quarantäne

Auf Facebook und Co. hatte ich bereits darauf hingewiesen: Denen, die die Quarantäne weitgehend alleine in ihrer Bude verbringen müssen, empfehle ich Silent Vlogs. Inhalt meist: Alleinstehende Personen, oft mit unfassbar süßem Haustier und karierter Bettwäsche, filmen ihren Alltag. Meine Favoritin: Sueddu aus Korea, aber es gibt auch ein paar andere richtig gute.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir noch…

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir nochmal ganz schnell einen Großeinkauf machen. Und in die Apotheke. Und nochmal zur Post. Da liegt ein Paket das abgeholt werden muss, und sonst wird es ja nach sieben Tagen wieder zurückgeschickt, und das ist ja auch schlecht.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher bestellen wir nochmal alle Mitarbeiter_innen ins Office, damit alle einen Antrag auf temporäres Arbeiten von zuhause ausfüllen können. Wir gehen in Quarantäne, und dass das so ist verkünden wir am besten freitags, damit betreuende Eltern, Angestellte, Selbständige und Co. übers Wochende keine Möglichkeit haben sich für die nächste Woche oder gar die nächsten Wochen zu wappnen – aber jeder Tag zählt, natürlich. Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir noch Dinge er-le-di-gen.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir nochmal in den Buchladen, um ordentlich Lesestoff für die nächsten Wochen zu besorgen. Wir gehen in Quarantäne aber vorher nochmal kurz ins Büro wegen des eines Ordners den wir da vergessen haben – und natürlich wegen dem ganzen Corona-Klatsch und Tratsch.

Wir gehen in Quarantäne aber vorher noch ein Eis essen, das Wetter ist doch grad so schön. Wir gehen in Quarantäne aber vorher noch zu Saturn, die drei Playstation-Spiele besorgen bevor es demnächst richtig langweilig wird.  Wir gehen in Quarantäne, aber vorher noch in den Baumarkt damit wir das Zeug kaufen können das wir für diverse Renovierungsarbeiten brauchen. Wir gehen in Quarantäne, und vorher noch in die Drogerie damit man auch genug Selfcare-Krams zur Hand hat an den langweiligen Quarantäne-Tagen. Wir gehen in Quarantäne, aber vorher nochmal schnell zur Bank um Geld zu ziehen, vielleicht sind die ja auch bald zu.

Wir gehen in Quarantäne, und zwar am besten ab… Naja, wir gehen halt dann in Quarantäne wenn wir vorher alles Wichtige erledigt haben. Vorher geht`s ja eh nicht.

Zwei Freundinnen stellen Homer Simpsons Food Tour in New Orleans nach & es ist ausgezeichnet

Katrin von Niederhäusern und ihre Fraundin Janine Wiget haben die Simpsons-Episode von Homers New Orleans-Food-Tour nachgestellt – und zwar Shot für Shot. Mehr brauche ich nicht für einen gelungenen Start ins Wochenende.

Getaggt mit

Der musikalische Jahresrückblick: Die besten Tracks 2019

(Fotos von Lizzo & Robyn: (c) Bogrebellen
Rest: made by me)

Wie jedes Jahr pie mal Daumen um diese Zeit kommen meine besten Tracks des Jahres, und das was ich da so zusammenkuratiert habe ist ungefähr so ein Durcheinander wie das Essen der letzten Tage. Sehr Lizzo-lastig, aber auch mit dem Kunststück Sophie B. Hawkins und Behemoth in eine Liste zu packen – verzeiht es mir, aber so bin ich halt und so war mein Musik-Jahr. Euch alles Liebe! ❤

Ladytron – Deadzone

Meg Myers – Running Up That Hill

Jade Bird – I Get No Joy

Nadia Reid – Fade Into You

Bat For Lashes – Jasmine Weiterlesen

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Haben wollen: Der (nicht nur) Feminist Killjoy-Geschenke-Guide

Es ist wieder soweit: Alles Gute zum Black Friday, Hals- und Beinbruch in der Vorweihnachtszeit und fröhliches Shoppen! Mein Geschmack ist nicht Jedermanns Sache, aber hier sind Dinge die ich kaufen würde oder bereits gekauft habe, manches davon völlig sinnlos aber hübsch. Xoxo wie jedes Jahr von Eurer Lieblingskonsumberaterin! ❤

1) Das Gute an diesem 3D Jane Austen Cookie Cutter ist dass beim Backen der Kekse die Gesichtszüge ein bisschen in Richtung Resting Bitch Face gehen. Also allein deshalb schon einer meiner Favoriten. Bestellen kann man das gute Ding: Hier.

2) Literarische Figuren und Ornamente von The Crow Imperium: In diesem Jahr bin ich ja die Reise meines Lebens angetreten, und zwar nach Haworth/England, dem Heimatörtchen der Brontë-Schwestern. Auf The Crow Imperium könnt Ihr alles mögliche ordern – u.a. auch unfassbar schöne literarische Figuren. Ich hab mir Emily Brontë und Katherine Earnshaw aus „Wuthering Heights“ auf die Wunschliste gesetzt.

(c) The Crow Emporium

(c) The Crow Emporium

Weiterlesen

Getaggt mit ,

Róisín Murphy – Narcissus

Kann Róisín Murphy nun endlich mal 1 ein Disco-Album rausbringen?

Getaggt mit ,

Allein auf dem Rolling Stone Park 2019: Quasi ein Livestream

07. November 2019, 09:01 Uhr

Liebes Tagebuch, heute ist Donnerstag, die ganze Woche schon ein ziemlicher Abschuss, heute abend muss/darf ich noch zum Ilgen-Nur-Konzert und nun hat mir Laura, mit der ich ja morgen e-i-g-e-n-t-l-i-c-h zum Rolling Stone Park fahre, grad geschrieben: „Hello! Schlechte Nachrichten. Ich bin absolut krank und kann mich eigentlich nirgends wo hinbewegen.“ RIP. VERDAMMT! Was nun? Muss absagen. Kann auf k-e-i-n-s-t-e-n 2,5 Tage alleine auf 1 Festival abhängen. ICH STERBE. Muss alles stornieren. Kann morgen auf gar keinen Fall fahren! Brauche erstmal Kaffee. A B S T U R Z!

07. November 2019, 12:21 Uhr

Liebes Tagebuch, habe mich bis zur Mittagspause wieder bissi sortiert. Bin doch ein harter Hund. Und habe mir gedacht: Wenn das kein Fall für die Female Festival Task Force ist, was dann? Fahre nun alleine zum RS Park. Habe im Europa Park-Hotel angerufen und ein Einzelzimmer geordert. Habe schließlich den ganzen Sommer über gerätselt ob ich mich jemals trauen würde alleine auf ein Festival zu fahren und hier muss ich nicht mal ein Zelt aufbauen. Und habe ein eigenes Klo, von der eigenen Dusche ganz zu schweigen. Packe das. Bin ja kein Schisser. Lade mir vor Abreise paar Serien aufs Tablet und kann mich im Notfall auch ins Hotel-Schwimmbad oder aufs Zimmer verpieseln und Schokolade vorm Fernseher essen. Wie bei einer Dienstreise. Ist ja so gesehen auch eine.

Weiterlesen

Rolling Stone Park 2019: Pool und Schwebebahn statt Dixi Klo und Gummistiefel

Es ist November und es ist soweit: Ich bin fix und foxi, durch und feddich, geradezu durchgegart. Die Festival- und Konzertsaison 2019 hat mir in diesem Jahr einiges abverlangt (vielleicht bin ich inzwischen auch halt einfach nur: alt), und ich zähle die Tage bis zu den Weihnachtsferien, die ich zum Großteil im Plüsch-Einteiler auf dem Sofa verbringen möchte, bevorzugt mit einem Becher Grog in der Hand. Vom Glamping beim Graspop bis hin zu Natur- und Sexismuskatastrophen bei Rock im Park bis hin zu Winterjacke-und-Schal-Alarm beim Roskilde-Festival im Juli (ich denke auch heute noch manchmal noch an die neun Grad nachts im Zelt) habe ich mit meinen Girls und der Female Festival Task Force so ziemlich alles erlebt was Open Air-technisch möglich ist – nicht, ohne auch selber ein paar Federn gelassen zu haben.

Fotos: Von uns, geschossen beim ersten Rolling Stone Park im November 2019

Nun steht für 2019 nur noch ein Großfestival an, und zwar Rolling Stone Park im Europapark Rust am kommenden Wochenende. Unter Umständen hätte ich zu diesem Zeitpunkt und bei meiner Verfassung übelst Stress bei der Aussicht auf NOCH EIN RIESENFEST ÜBER MEHRERE TAGE. Aber in diesem Fall ist alles anders. Homies bei Twitter fragten sich letztens warum man sich Festivals antun sollte wo man sich ein Zelt mit „Daniel und Stefan“ und ein „Dixi Klo mit 50.000 Menschen“ teilen muss. Die Antwort ist: Man kann sie sich antun weil es manchmal auch die Komfort-Varianten mit Hotelzimmer, Bett, eigenem Bad und Frühstück gibt – und bei dieser Variante vom 8. bis 11. November in Rust werden wir wieder dabei sein.

Laura und ich haben letztes Jahr der Festival-Premiere im Europapark beigewohnt – und zwar aus Gründen die uns heute unangenehm sind (Ryan Adams). Im Sommer hatten wir bereits die Tickets gebucht, dann sagte Ryan die Show ab, dann waren wir erst traurig, dann nicht mehr nachdem sich in der Welt-Presse rumsprach dass er ein misogynes Arschloch ist, wir fuhren natürlich trotzdem – und hatten einfach die beste Zeit. Bei Anna Calvi standen wir in der ersten Reihe, entdeckten uns bisher unbekannte aber grandiose Bands wie die „Intergalactic Lovers“, schlugen uns abends die Bäuche mit dem feinen Caterer-Buffet voll und schwammen tagsüber im beheizten Außenpool.

View this post on Instagram

@intergalacticlovers. 👏🏽🎈💕

A post shared by Nadia (@shehadistan) on

View this post on Instagram

Here we go again. . . . #RSPark

A post shared by Nadia (@shehadistan) on

Weiterlesen

Getaggt mit , ,