Archiv der Kategorie: Faktotum

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir noch…

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir nochmal ganz schnell einen Großeinkauf machen. Und in die Apotheke. Und nochmal zur Post. Da liegt ein Paket das abgeholt werden muss, und sonst wird es ja nach sieben Tagen wieder zurückgeschickt, und das ist ja auch schlecht.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher bestellen wir nochmal alle Mitarbeiter_innen ins Office, damit alle einen Antrag auf temporäres Arbeiten von zuhause ausfüllen können. Wir gehen in Quarantäne, und dass das so ist verkünden wir am besten freitags, damit betreuende Eltern, Angestellte, Selbständige und Co. übers Wochende keine Möglichkeit haben sich für die nächste Woche oder gar die nächsten Wochen zu wappnen – aber jeder Tag zählt, natürlich. Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir noch Dinge er-le-di-gen.

Wir gehen in Quarantäne, aber vorher müssen wir nochmal in den Buchladen, um ordentlich Lesestoff für die nächsten Wochen zu besorgen. Wir gehen in Quarantäne aber vorher nochmal kurz ins Büro wegen des eines Ordners den wir da vergessen haben – und natürlich wegen dem ganzen Corona-Klatsch und Tratsch.

Wir gehen in Quarantäne aber vorher noch ein Eis essen, das Wetter ist doch grad so schön. Wir gehen in Quarantäne aber vorher noch zu Saturn, die drei Playstation-Spiele besorgen bevor es demnächst richtig langweilig wird.  Wir gehen in Quarantäne, aber vorher noch in den Baumarkt damit wir das Zeug kaufen können das wir für diverse Renovierungsarbeiten brauchen. Wir gehen in Quarantäne, und vorher noch in die Drogerie damit man auch genug Selfcare-Krams zur Hand hat an den langweiligen Quarantäne-Tagen. Wir gehen in Quarantäne, aber vorher nochmal schnell zur Bank um Geld zu ziehen, vielleicht sind die ja auch bald zu.

Wir gehen in Quarantäne, und zwar am besten ab… Naja, wir gehen halt dann in Quarantäne wenn wir vorher alles Wichtige erledigt haben. Vorher geht`s ja eh nicht.

Zwei Freundinnen stellen Homer Simpsons Food Tour in New Orleans nach & es ist ausgezeichnet

Katrin von Niederhäusern und ihre Fraundin Janine Wiget haben die Simpsons-Episode von Homers New Orleans-Food-Tour nachgestellt – und zwar Shot für Shot. Mehr brauche ich nicht für einen gelungenen Start ins Wochenende.

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Der musikalische Jahresrückblick: Die besten Tracks 2019

(Fotos von Lizzo & Robyn: (c) Bogrebellen
Rest: made by me)

Wie jedes Jahr pie mal Daumen um diese Zeit kommen meine besten Tracks des Jahres, und das was ich da so zusammenkuratiert habe ist ungefähr so ein Durcheinander wie das Essen der letzten Tage. Sehr Lizzo-lastig, aber auch mit dem Kunststück Sophie B. Hawkins und Behemoth in eine Liste zu packen – verzeiht es mir, aber so bin ich halt und so war mein Musik-Jahr. Euch alles Liebe! ❤

Ladytron – Deadzone

Meg Myers – Running Up That Hill

Jade Bird – I Get No Joy

Nadia Reid – Fade Into You

Bat For Lashes – Jasmine Weiterlesen

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Haben wollen: Der (nicht nur) Feminist Killjoy-Geschenke-Guide

Es ist wieder soweit: Alles Gute zum Black Friday, Hals- und Beinbruch in der Vorweihnachtszeit und fröhliches Shoppen! Mein Geschmack ist nicht Jedermanns Sache, aber hier sind Dinge die ich kaufen würde oder bereits gekauft habe, manches davon völlig sinnlos aber hübsch. Xoxo wie jedes Jahr von Eurer Lieblingskonsumberaterin! ❤

1) Das Gute an diesem 3D Jane Austen Cookie Cutter ist dass beim Backen der Kekse die Gesichtszüge ein bisschen in Richtung Resting Bitch Face gehen. Also allein deshalb schon einer meiner Favoriten. Bestellen kann man das gute Ding: Hier.

2) Literarische Figuren und Ornamente von The Crow Imperium: In diesem Jahr bin ich ja die Reise meines Lebens angetreten, und zwar nach Haworth/England, dem Heimatörtchen der Brontë-Schwestern. Auf The Crow Imperium könnt Ihr alles mögliche ordern – u.a. auch unfassbar schöne literarische Figuren. Ich hab mir Emily Brontë und Katherine Earnshaw aus „Wuthering Heights“ auf die Wunschliste gesetzt.

(c) The Crow Emporium

(c) The Crow Emporium

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Róisín Murphy – Narcissus

Kann Róisín Murphy nun endlich mal 1 ein Disco-Album rausbringen?

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Allein auf dem Rolling Stone Park 2019: Quasi ein Livestream

07. November 2019, 09:01 Uhr

Liebes Tagebuch, heute ist Donnerstag, die ganze Woche schon ein ziemlicher Abschuss, heute abend muss/darf ich noch zum Ilgen-Nur-Konzert und nun hat mir Laura, mit der ich ja morgen e-i-g-e-n-t-l-i-c-h zum Rolling Stone Park fahre, grad geschrieben: „Hello! Schlechte Nachrichten. Ich bin absolut krank und kann mich eigentlich nirgends wo hinbewegen.“ RIP. VERDAMMT! Was nun? Muss absagen. Kann auf k-e-i-n-s-t-e-n 2,5 Tage alleine auf 1 Festival abhängen. ICH STERBE. Muss alles stornieren. Kann morgen auf gar keinen Fall fahren! Brauche erstmal Kaffee. A B S T U R Z!

07. November 2019, 12:21 Uhr

Liebes Tagebuch, habe mich bis zur Mittagspause wieder bissi sortiert. Bin doch ein harter Hund. Und habe mir gedacht: Wenn das kein Fall für die Female Festival Task Force ist, was dann? Fahre nun alleine zum RS Park. Habe im Europa Park-Hotel angerufen und ein Einzelzimmer geordert. Habe schließlich den ganzen Sommer über gerätselt ob ich mich jemals trauen würde alleine auf ein Festival zu fahren und hier muss ich nicht mal ein Zelt aufbauen. Und habe ein eigenes Klo, von der eigenen Dusche ganz zu schweigen. Packe das. Bin ja kein Schisser. Lade mir vor Abreise paar Serien aufs Tablet und kann mich im Notfall auch ins Hotel-Schwimmbad oder aufs Zimmer verpieseln und Schokolade vorm Fernseher essen. Wie bei einer Dienstreise. Ist ja so gesehen auch eine.

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Rolling Stone Park 2019: Pool und Schwebebahn statt Dixi Klo und Gummistiefel

Es ist November und es ist soweit: Ich bin fix und foxi, durch und feddich, geradezu durchgegart. Die Festival- und Konzertsaison 2019 hat mir in diesem Jahr einiges abverlangt (vielleicht bin ich inzwischen auch halt einfach nur: alt), und ich zähle die Tage bis zu den Weihnachtsferien, die ich zum Großteil im Plüsch-Einteiler auf dem Sofa verbringen möchte, bevorzugt mit einem Becher Grog in der Hand. Vom Glamping beim Graspop bis hin zu Natur- und Sexismuskatastrophen bei Rock im Park bis hin zu Winterjacke-und-Schal-Alarm beim Roskilde-Festival im Juli (ich denke auch heute noch manchmal noch an die neun Grad nachts im Zelt) habe ich mit meinen Girls und der Female Festival Task Force so ziemlich alles erlebt was Open Air-technisch möglich ist – nicht, ohne auch selber ein paar Federn gelassen zu haben.

Fotos: Von uns, geschossen beim ersten Rolling Stone Park im November 2019

Nun steht für 2019 nur noch ein Großfestival an, und zwar Rolling Stone Park im Europapark Rust am kommenden Wochenende. Unter Umständen hätte ich zu diesem Zeitpunkt und bei meiner Verfassung übelst Stress bei der Aussicht auf NOCH EIN RIESENFEST ÜBER MEHRERE TAGE. Aber in diesem Fall ist alles anders. Homies bei Twitter fragten sich letztens warum man sich Festivals antun sollte wo man sich ein Zelt mit „Daniel und Stefan“ und ein „Dixi Klo mit 50.000 Menschen“ teilen muss. Die Antwort ist: Man kann sie sich antun weil es manchmal auch die Komfort-Varianten mit Hotelzimmer, Bett, eigenem Bad und Frühstück gibt – und bei dieser Variante vom 8. bis 11. November in Rust werden wir wieder dabei sein.

Laura und ich haben letztes Jahr der Festival-Premiere im Europapark beigewohnt – und zwar aus Gründen die uns heute unangenehm sind (Ryan Adams). Im Sommer hatten wir bereits die Tickets gebucht, dann sagte Ryan die Show ab, dann waren wir erst traurig, dann nicht mehr nachdem sich in der Welt-Presse rumsprach dass er ein misogynes Arschloch ist, wir fuhren natürlich trotzdem – und hatten einfach die beste Zeit. Bei Anna Calvi standen wir in der ersten Reihe, entdeckten uns bisher unbekannte aber grandiose Bands wie die „Intergalactic Lovers“, schlugen uns abends die Bäuche mit dem feinen Caterer-Buffet voll und schwammen tagsüber im beheizten Außenpool.

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@intergalacticlovers. 👏🏽🎈💕

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Here we go again. . . . #RSPark

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10 Horrorfilme mit feministischem Einschlag

Gut, der feministische Einschlag ist manchmal nur versehentlich bei dieser Liste, aber: Wer heute oder am verlängerten Wochenende oder generell einfach mal wieder Lust hat auf einen guten Horrorfilm hat, der ist mit dieser Liste hier vielleicht ganz gut bedient. Wer Horrorfilme nicht aushalten kann schaltet am besten genau jetzt um!

1) A Girl Walks Home Alone At Night (2014)

Den feministische Vampirfilm der iranisch-amerikanischen Regisseurin und Drehbuchautorin Ana Lily Amirpour aus dem Jahr 2014 kann man nur ein halber Jahrzehnt später tatsächlich als Meilenstein bezeichnen.

2) Ghostbusters (2016)

Never forget mein Oberschatzi Holtzmann. 2019 wäre ein guter Zeitpunkt für einen zünftigen Re-Watch. ❤

3) Teeth – Wer zuletzt beisst, beisst am besten (2007)

Trashiger, sehr heteronormativer Horror, den ich aber immer wieder ballern könnte. Fun Fact: Als ich „Teeth“ vor Jahren als DVD bestellte konnte sie mir aus irgendwelchen Gründen nicht zugestellt werden – und der Film musste seine Rückreise in die USA antreten. Bis heute weiß ich nicht warum!

4) Season of the Witch (1973)

Sauberer Hexenfilm (der im Original „Hungry Wives“ hieß) mit einer wunderbaren Jan Mitchell in der Hauptrolle. Die Filmposter sind meiner Meinung nach bis heute einfach alle nur i-c-o-n-i-c.

5) Der Hexenclub (1996) Weiterlesen

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Künstler_innen-Shaming in der Musikrezeption und wieso ich meine Mädchenmusik immer lieben werde

Disclaimer: Dieser Text erschien bereits am 8. März 2019 bei den Blogrebellen.

Am 8. März 2019 war mal wieder der Internationale Frauen_tag oder auch Frauen_kampftag oder auch feministische Kampftag, je nachdem wie man ihn bezeichnen möchte um sich halbwegs damit wohlzufühlen, und ich war passenderweise in dieser Woche auf genau zwei Konzerten, die für uninformierte Außenstehende wahrscheinlich im Affekt das Prädikat „Mädchenmucke“ oder auch “Frauen-Rock” aufgepappt bekommen. Das ist für mich mittlerweile natürlich ein Gütesiegel, doch das war nicht immer so, und dazu kommen wir später. Seit Jahren knabbere ich immer wieder an einem Thema, das mich schon seit meiner Jugend schwer beschäftigt: Die chronische Unterschätzung und auch Deklassierung von Musik, die nicht cis-male oder white-cis-male-fronted ist. 

Melissa Etheridge spielt im vollgestopften Club, nicht im Stadion

Am Montag erfüllte ich mir einen Kindheits- und Jugendtraum und besuchte das Konzert von Melissa Etheridge im Capitol in Hannover. Etheridge feiert derzeit das 25jährige Jubiläum ihrer Platte “Yes I Am” und spielt aus diesem Anlass dankenswerterweise extra eine der Scheibe gewidmete Tour. Tags drauf ging es direkt weiter nach Köln zum Florence and the Machine-Gig, in eine ausverkaufte Arena, in der es – wenn man untertreiben möchte – zuging wie bei einer spirituellen Messe, nur dass kein Gott und keine Göttin angebetet wurde sondern aus unterschiedlichen aber auch sehr nachvollziehbaren Gründen eben Florence Welch.

Am Montag also waren wir anlässlich Melissa unter lauter Menschen, von denen wie zu erwarten nur sehr wenige Cis-Männer am Start waren (und wenn sie da waren, kamen sie zumeist auch als Hälfte eines Hetero-Paares, also vielleicht gar nicht mal so freiwillig). Während wir mit unseren Radler-Bechern im vollgestopften Capitol standen und versuchten, die hinter uns Schnaps trinkenden und grölenden Karnevalistinnen zu ignorieren um Etheridges Show genießen zu können, kam mir wieder ein Gedanke, den ich seit Jahren immer mal wieder habe wenn es um die Musik von Melissa geht: Die ewige Deklassierung ihrer Musik als “Lesben-Rock”, vor allem auch im deutschsprachigen Raum, obwohl Lesben-Rock aus ziemlich vielen Gründen eine ganz ausgezeichnete Sache ist, aber wenn jemand das Label auspackt ist es ja meistens nie wohlwollend gemeint.

“Like the Way I do”, auch wenn Dich so viele hassen, I`ll always love you!

Zudem stellte ich mir wie so oft zuvor die Frage, warum ein Track wie „Like The Way I Do“ bis heute so kriminell unterbewertet ist – auch, wenn er natürlich mal ein solider Kassenschlager war, von Menschen mit gutem Musikgeschmack durchaus auch geschätzt aber heutzutage zumeist in Schützenfestzelten oder auf meinen Geburtstagsfeiern oder bei Autofahrten mit guten Freund_innen abgespielt wird. Und so sah ich mir also Melissa an und dachte: Warum wirst Du nicht mindestens genauso gehyped wie Bruce Springsteen, wo Du es doch absolut verdienst, Schwester? Vermeintlich objektive Stimmen können nun denn dazu anmerken: Naja, die Zeiten in denen Melissa noch was reißen konnte sind ja nun eh schon laaangeee vorbei, und man muss doch sehen, sie tourt immer noch international, veröffentlicht Platten und hat eine stabile Fanbase, und dennoch nagt immer noch etwas in mir: Melissa, so wurde es mir seit den 1990er Jahren immer wieder gespiegelt, ist sozusagen der Arche-Typus der Rock-Musik spielenden Frauen, die verkannt werden, weil sie sich bestimmten Anforderungen entziehen. Weil sie nicht für den Male Gaze existieren. Weil sie zu homo sind. Weil sie jetzt, 2019, zusätzlich dazu auch noch in die Jahre gekommen sind. 

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