Archiv der Kategorie: Faktotum

Das Meer und die Migration: Porto M.

Was, wenn das, was man bei einer Reise mit sich tragen kann, nicht viel Platz einnehmen darf? Was kann im Zweifel die wichtigste Habseligkeit sein, die man temporär mit sich trägt? Wie kann es sein, dass ausgerechnet eine Dose Harissa oder eine Kassette mit Musik als das letzte Bindeglied zur einer vorherigen Heimat werden kann? Und wann wird ein Objekt zum emotional aufgeladenen Ort einer Erinnerung?

Eine für mich der eindrucksvollsten Ausstellungen wird beim Zukunftslabor „Multiple Memories“ der Zukunftsakademie NRW gezeigt: Die Ausstellung Porto M. zeigt Objekte, die Menschen gehörten, die in Lampedusa angekommen sind, und die das Kollektiv Askavusa seit 2009 sammelt. Ein zerfledderter Koran, eine alte Zahnbürste, ein einsamer Flip Flop, eine Schachtel Zigaretten – teilweise spirituell bedeutsame Besitztümer liegen neben scheinbar schnöden Gebrauchsgegenständen, doch allen Gegenständen ist gemeinsam, dass sie nicht in einen großen Koffer passen dürfen. „Das, was man am Leibe trägt“ wird beim Anblick der Ausstellung von der Phrase zu einer bewegenden Klarheit, denn man weiß: Einige der Exponate sind in der Tat irgendwann mal so etwas wie das letzte Hemd ihrer Besitzer_innen gewesen.

Das Kollektiv, das im Raum Porto M. die Ausstellung beherbergt und diese Art der Erinnerung ermöglicht, führt dabei in Eigenregie und unabhängig von großen Geldgeber_innen das Projekt durch. Als „anarchistisch“ bezeichnen sie ihren Ansatz im Panel von gestern, und Geld großer Firmen oder anderer einflussreicher Gönner lehnen sie ab, denn „Diese Geldgeber repräsentieren das System“ – und zwar ein System, das verantwortlich ist für geschlossene Grenzen, gewaltvolle Fluchterfahrungen, ungerechte Asylpolitik und im schlimmsten Fall Tod (der nicht mal ein Sonderfall ist). Beispielhaft für eine stringent praktizierte Counter Culture steht das Kollektiv, dass alle Schwierigkeiten in Kauf nimmt um ohne größere Unterstützung Erinnerungsarbeit zu leisten und zu kommunizieren.

Am 5.12. beim Zukunftslabor „Multiple Memories“ – Vertreter_innen von Porto M.

Das M aus Porto M kann dafür für alles Mögliche stehen: Migration, Mobilisierung, Memoiren, Militarisierung. Migrationen als Folge des kapitalisitischen Wirtschaftssystems, des Imperialismus, des Einflusses der multinationalen Firmen und der Banken auf die Entscheidungen der Regierungen: Wendet man diese Ansätze an, ergeben sich tatsächlich ganz andere Perspektiven auf Erinnerung – Erinnerungsperspektiven, die mit Schmerz und Verlust verbunden sind, mit Möglichkeiten und Grenzen, mit Ressourcen und Gerechtigkeit.

via Askavusa Lampedusa

via Askavusa Lampedusa

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Unsere Kultur der Belästigung und der Tod von Tuğçe Albayrak

Letzte Woche ist eine Tochter, Schwester, Freundin, Kommilitonin und mutige Helferin von uns gegangen, Tuğçe Albayrak,  eine junge Frau, die noch viel vorhatte in einem Leben, das viel zu früh endete. Seitdem wird getrauert, der Familie Beistand gewünscht, im Netz nicht enden wollende Solidarität bekundet, Zivilcourage erneut diskutiert – national und international.

Via facebook.com/pages/Tuğçe-zeigte-Zivilcourage-zeigen-wir-Ihr-unseren-Respekt

Eko Fresh (via facebook.com/pages/Tuğçe-zeigte-Zivilcourage-zeigen-wir-Ihr-unseren-Respekt)

Wichtige Überlegungen zum Einschreiten in Gefahrensituationen und über aktives Handeln und Zivilcourage nach der Betroffenheit lieferte Heng in einem wichtigen Text für das Missy Magazine. „Das Mindeste, das Tuğçe von uns verdient, ist nicht nur Respekt, sondern auch das Überdenken eigener Handlungen, die Erhöhung einer allgemeinen Aufmerksamkeit und den Mut, selbst zu intervenieren“, schreibt sie, und ich stimme voll zu.

Was ebenfalls überdacht werden sollte: Der kulturelle Zusammenhang des gewaltvollen Übergriffs, der eben nicht in einem luftleeren Raum stattgefunden hat, sondern in einer Gesellschaft, die nach wie vor die Belästigung von *Frauen und *Mädchen als gängiges Verhaltensrepertoire vorsieht, die Rape Culture prägt und Victim Blaiming betreibt. Tuğçe Albayrak ist gestorben, weil sie an einem öffentlichen Ort junge Mädchen vor Übergriffigkeiten geschützt hat. Wenn junge Mädchen an einem so öffentlichen (!) Ort wie einer McDonalds-Filiale belästigt werden, wenn sich dort bis auf eine junge Frau wie Tuğçe und ihre Freundinnen niemand daran stört dass es einen hörbaren Übergriff gibt, wenn niemand einschreitet außer eben beherzte Gäst_innen, dann hat das nichts mehr mit tragischen Zufälligkeiten und Einzelfallausrastern zu tun, sondern mit einer Gesellschaft, die derartige Übergriffe bagatellisiert und patriarchale Denkmuster stützt und Mikroaggressionen gegen alles, was nicht cismännlich ist, befeuert, und zwar: Immer, überall. Weiterlesen

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Reaktionen auf Kay One’s Bushido-Diss

Ich hab sie alle gesammelt, nix zu danken!

Mein Computer:

kay oneKay One’s W-Lan:

Bushido:

Ali Alulu Abdul-r:

Mein YouTube-Playlist:

Ada Blitzkrieg:

Al Gear:

Bushido-Fans:

Krass gerappt?jeder der sich ihn angehört hat hatgehört das dass ein scheis biliger beat ist und er nicht ma auf den beat geflowt hat und das ganze a sychron war und nur so ich ficke deine mutter rap im sine eines disstracksl

Kay One-Fans:

Unbeteiligte Dritte:

Ich als ich gehört habe was das Video gekostet haben soll:

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Moko – Your Love

„She has been compared to UK trip hop bands of the 1990s, with NME describing Moko’s music as „London’s answer to Massive Attack.“ Kann es sein dass diese gute Frau hier trotzdem noch ein bisschen zu underrated ist?

Ein tolles Video gibt es natürlich auch, allerdings nicht bei YouTube. Was ich zumindest hier schon mal anbieten kann: Eine tolle gif-Parade via nokiabae:

Das Problem mit weißen Konvertiten

Jordan Horner, Part des Londoner Pendants der Sharia-Polizei – und Konvertit. via dailymail.co.uk

Zum Islam konvertierte weiße Menschen gehörten schon vor Breitbandinternet immer wieder zu meinem sozialen Nahfeld. Im Kindesalter ergab sich dies durch diverse multi-ethnische Familien mit denen meine Eltern befreundet waren, und in denen in der Regel die (weiße, nicht immer deutsche) Frau zum Islam konvertiert war. Heute nerven mich weiße Konvertit_innen vor allem in Schlagzeilen und Internet. Und sie nerven nicht nur, sie müssen langsam mal dringend als Teil rassistischer Praxis problematisiert werden wenn es um kulturelle Aneignung geht: Vor allem dann, wenn sie als i-Tüpfelchen ein schlechtes Licht auf marginalisierte communities werfen und als Vertreter_innen migrantisierter Menschen oder einer muslimischen Diaspora (in Deutschland oder anderswo) identifiziert werden. Den einzigen Reflex den sie mittlerweile bei mir noch auslösen ist eigentlich  nur noch der hier: OOOOOOOOOOOOOOAAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRRR. Weiterlesen

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11 Kinderserienklassiker und 1 Film

Ein bisschen Nostalgie mit einer zufällig zusammengestellten Liste, brauchbar zum Beispiel an Schlechtwettersonntagen.

1) Frankensteins Tante

Dieser Klassiker stammt aus dem Jahre 1986 und hat mit der Kette rauchenden Tante Hanna Frankenstein (Viveca Lindfors) eine der besten Frauenfiguren europäischer Fernsehgeschichte zu bieten. Ich weiß zwar bis heute nicht so genau, wie Wasserleichen, eingemauerte Zofen und erdolchte Menschen mit pädagogischer Kinderunterhaltung d’accord gehen, aber wie man sieht hat mir diese Serie (vielleicht) nicht geschadet!

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Video-Statements von Personen aus der Schule vom 01.07. 23 Uhr

@OhlauerInfo

Warum diese Videos zeigen ein Botschaften von Geflüchteten aus dem Sudan. Die erste Person erzählt kurz ihre Geschichte, wie sie in Europa versucht hat einen sicheren Ort zum leben zu finden. Sie beendet die Botschaft damit, dass sie bereit ist zu springen. Im zweiten Video erklärt die Person, warum sie nichts zu verlieren hat und auf keinen Fall zurück in ein Lager gehen wird. Die Videos wurden am 01.07. um ca. 23 Uhr in der Schule aufgenommen.

„One Refugee Activist explains why he is ready to jump from the roof of the occupied school in Ohlauerstraße, if an eviction by force takes place and their demand, the right to stay, is still ignored.

Einer der Refugee Aktivist_innen erklärt warum er bereit ist vom Dach der besetzten Schule in der Ohlauerstraße zu springen, wenn eine Zwangsräumung stattfindet und ihre Forderung nach Bleiberecht weiterhin ignoriert wird.“

Youtube Beschreibung

Skript des ersten Videos:

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Das Beste an „Boyhood“? Nicht die Boys.

Wenn die Presse einen Drei-Stunden-Schinken über den Pudding lobt, ihn als neuen Meilenstein der Filmgeschichte abfeiert und selbst der Spiegel fast zu Tränen gerührt über den „Triumph der Beharrlichkeit“ schreibt, dann sollte man sich doch vielleicht fragen, ob es sich wirklich lohnt einen kleinen Batzen Euros (Überlänge) für ein Filmerlebnis hinzublättern, das einem zeigt, was man mehr oder weniger selbst schon alles durchlebt hat (nämlich mehr oder weniger: die Jahre 2001 bis 2013). Doch vorweg die gute Nachricht: „Boyhood“ lohnt sich. Wirklich!

Um jedoch erstmal zu verstehen, was eins der Grundprobleme von „Boyhood“ ist, genügt es zunächst, sich den Film in einem unterbesetzten Kinosaal anzuschauen, am besten: werktags, nachmittags, vorzugsweise in einer eher beschaulichen Stadt. Weiterlesen

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Ein Selbstmord aus ›fremder‹ Hand – Das gestellte Ende des Nationalsozialistischen Untergrundes/NSU

Lesen.

Eyes Wide Shut

Ein Selbstmord aus ›fremder‹ Hand – Das gestellte Ende des Nationalsozialistischen Untergrundes/NSU

Auf den ersten Blick scheint es wenig gute Gründe zu geben, sich mit der offiziellen Version auseinanderzusetzen, dass die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4.11.2011 in ihrem geliehenen Campingwagen in Eisenach durch Selbstmord ums Leben gekommen sind. Ist doch egal, wie diese Neonazis umgekommen sind … könnte man dabei heraushören.

Das ist es eben nicht – gerade auch dann, wenn man Neonazismus nicht für eine Ansichtsache hält, sondern für ein Verbrechen.

Als ich den Text Selbstmord – was sonst? vor einem Jahr für die zweite Auflage des Buches Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf? überarbeitete, lagen sehr wenige Beweise dafür vor, was sich in jenem Campingwagen am 4.11.2011 in Eisenach ereignet hatte, in dem die beiden NSU-Mitglieder tot aufgefunden wurden.

Die tatbegleitenden Umstände wiesen hingegen schon damals darauf…

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Blogstöckchen: Fünf Buchvorsätze

Wie praktisch, dass heute Welttag des Buches ist! Ninia hat mir nämlich mal wieder ein Blogstöckchen zugeworfen: Es geht um Bücher, die man noch nicht gelesen hat, und der Deal geht so:

“Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.”

Acht Blogger_innen zu benennen ist zwar ein bisschen sportlich, aber trotzdem kriege ich ein paar Auserwählte zusammen: Charlott, Katrin, Daniel, Sarah, Tasnim, Frau Gehlhaar, Samir und Salma. (Edit: Es ist schwieriger acht Blogger_innen zu benennen als fünf ungelesene Bücher vorzustellen!)

Und schon geht es ohne Überleitung weiter mit den fünf ausgewählten Wunschteilen:

220px-Davidis1. Henriette Davidis: Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche

Henriette ist wohl die bekannteste Kochbuchautorin Deutschlands gewesen, und ihr Kochbuch ist als Generationenerbstück von Küche zu Küche weitergereicht worden – ich habe auch schon antiquarische Prachtexemplare gesehen und durchgeblättert. Und irgendwann werde ich nochmal richtig darin lesen. Weniger, um tatsächlich irgendwas daraus nachzukochen, sondern um einfach nochmal so spannende Fun Facts zu erhalten: Zum Beispiel war es damals (wie heute?) anscheinend möglich, auch mal 22 Eier in einem Kuchen zu verbacken. Weiterlesen

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