Zum Todestag von Tupac Shakur

1996 mit nur 25 Jahren gestorben an den Folgen der Verletzungen eines Drive-by-Shootings in Las Vegas, und davor: Eine harte Jugend in New York, die nicht freudlos ist, eine Mutter, die sich politisch engagiert, ein leiblicher Vater, der Mitglied bei den „Black Panthers“ war. Und heute: Ein Nachlass, der das Lebenswerk zumindest kommerziell toppte.

Tupacs Biographie ist nur in Teilen typisch für das, was man als stereotype „Ghetto-Jugend“ abqualifizieren könnte. Aufgewachsen in einem Umfeld, dass für Politik und Bürgerrechtsbewegung affin war, ab Mitte der 1980er Jahre Besuch der  Baltimore School for the Art: Die Grundsteine für seine Hip-Hop-Aktivitäten, die schon immer jenseits der Bedürfnisstätten-Mentalität anderer Rap-Artists dieser Zeit lagen, und sein Interesse an Literatur, Kunst und Politik wurden früh gelegt. Die Jahre in Baltimore nennt er später die glücklichsten seines Lebens, und diese Prägephase kam später immer wieder dann zum Vorschein, wenn er zum Beispiel in Interviews eindringlich demonstrierte, wie nah Straßenmentalität und die Fähigkeit zu elaboriertem Denken bei ihm beieinander lagen: Ein  “Gangzta”, mahnend, reflektierend. Selten, damals. Und untypisch.

Jugend: Abstürze und Umzüge

Dabei beginnt der Absturz eigentlich schon früh. Den familiären Umzug nach Oakland 1988 bezeichnet Tupac als die Zeit „where I got off track“: 17 ist er damals, Zuhälter und Drogendealer werden zu seinen Role-Models, er versucht sich selbst im Drogenhandel, landet aber immerhin lose im Musikgeschäft – zunächst als Roadie, dann als Tänzer. Irgendwann wird er Rapper bei „Digital Underground“, und der Track „Same Song“ wird zur Eintrittskarte bei Interscope Records.  1991 erscheint „2Pacalypse Now“ – es bleibt Zeit seines Lebens sein politischstes Album: In „Trapped“ rappt er über Polizeigewalt, und ”Brenda’s Got a Baby” ist sozusagen die Precious-Variante der frühen 90er. Da ist Tupac 20 und seine Kollegen geben zum Großteil immer noch die Party-People.

Doch es bleibt ein ewiges Hin und Her – vielleicht ist er zu jung, um mögliche Tragweiten eines neuen politischen Hip Hops zu erahnen und wirklich am Ball zu bleiben. Ein weiteres Album folgt („Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z.“), zudem Filmrollen („Poetic Justice“), aber auch: Gewalttätige Auseinandersetzungen, zahlreiche Gerichtsverfahren. Daneben immer wieder soziales Engagement und Kollaborationen mit anderen Hip-Hop-Größen.

Ambivalenz als Konstante

1994 wird er angeschossen, als er sich mit Christopher Wallace („Notorious B.I.G.“) und Sean Combs („Puff Daddy“) in New York trifft, um einen Track aufzunehmen: Wallace und Combs wird er später als Attentäter bezeichnen und damit die East-Coast-vs.-West-Coast-Fehde auslösen. Sein Leben ist ein Auf und Ab, ein Für und Wider gegen Strukturen, ein Kampf gegen Kontexte, in denen er selbst immer wieder festhängt.  Verbündete findet man immer wieder nur in dem Sumpf, indem man selbst steckt – richtige Weggefährten sind nicht dabei, die verstehen könnten, worum es Tupac geht: Es gibt Aufnahmen von Studio-Sessions, in denen Tupac seine Crew harsch zum Arbeiten antreibt und nebenbei kluge Statements zu gesellschaftlichen Problemen abgibt. Zu viel, zu hoch, zu komplex als dass er richtige Mitstreiter hätte gewinnen können – Verhältnisse bleiben Verhältnisse, dieselben, immer.

1995 wandert er ins Gefängnis, verurteilt zu vier Jahren Haft wegen sexueller Gewalt (auch dazu unbedingt lesen: „Reconciling Duplicity: Feminism & Misogyny in 2Pac„). Elf Monate sitzt er ab, währenddessen erreicht sein Album „Me Against the World“ Platz 1 der Billboard Charts und er schreibt das Drehbuch „Live 2 Tell“, das vom Ausstieg eines Drogendealers erzählt. In Anspielung an  Niccolò Machiavelli verwendet er das Pseudonym Makaveli – es bleibt bei jungenhaften intellektuellen Streifzügen, die nicht vertieft werden können.

Es ist der 7. September 1996, als Tupac Shakur erneut in Las Vegas angeschossen wird: Er sitzt mit Freunden in einem schwarzen BMW, als vier Projektile die Reifen, fünf die Beifahrertür, drei die Scheiben zerschlagen. Tupac wird von mehreren Schüssen getroffen. Fünf Tage später erliegt er den Schussverletzungen – der Mord bleibt bis heute ungeklärt.

Zur wahren Hochform läuft er postum auf: Zu Lebzeiten war er produktiv wie kaum ein Zweiter im Business, sein Ton- und Filmmaterial trägt bis heute Früchte. Den immateriellen Nachlass verwaltet Mutter Afeni Shakur: Sie gründete „Amaru“-Records, frei nach dem zweiten Vornamen Tupacs. Tupac Amaru ist dabei das namentliche Relikt aus Zeiten, in denen sich schwarze Aktivisten gerne auf Inkakönige aus Peru und maoistisch gefärbte Revolutionstheorien beriefen.

Alben im Doppelpack nach 1996, Tracks in Rohfassung mit perfekten Rhymes, 200 Gedichte, teilweise meisterhafte Produktionen im Nachgang: Jung gestorben, trotzdem ein Altmeister des Genres. Dabei wäre er heute gerade mal 42 Jahre alt.

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Ein Gedanke zu „Zum Todestag von Tupac Shakur

  1. Fabain sagt:

    Makaveli – einfach nur ein überragender Musiker!
    Mehr als schade, dass noch viele weitere Küsntler wegen dem sinnlosen West-Coast und East-Cost Konflikt umkamen.

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