Schlagwort-Archive: Misogynie

Amy Winehouse, im Kino und im Patriarchat: „Sing, oder ich will mein Geld zurück!“

Die Geschichte, die ich erzählen will, wäre vielleicht noch interessanter, wenn ich sagen könnte, ich hätte Amy Winehouse schon immer richtig spitze gefunden. So war es aber nicht, denn das erste Mal kam ich mit Amy in Berührung als sie 2004 mit „Will you still love me tomorrow“ auf dem Soundtrack des Bridget Jones-Sequels landete, und ich ignorierte sie erstmal direkt: Eine weitere nicht-Schwarze Frau die einen auf Jazz machte, die nächste Norah Jones Schrägstrich Joss Stone Schrägstrich Diana Krall. Und die mit ihren Tracks wahrscheinlich sowohl wunderbar auf Sektempfängen als auch in Fahrstühlen funktionieren könnte. Langweilig, langweilig, langweilig.

In einem Leben, das damals noch wunderbar vorwiegend analog funktionierte, tauchte sie breitflächig erst wieder 2006 in meiner Wahrnehmung mit „Rehab“ auf, transportiert via MTV, optisch und musikalisch verziert mit der ganzen Rutsche des Ausleihens von Musikkultur-Erbschaften im großem Stil, und zwar glasklar in Richtung Black Approbiation, denn ihre Vintage-Selbstinszenierung war schon damals natürlich nicht unproblematisch. Weiterlesen

Getaggt mit , , ,

Unsere Kultur der Belästigung und der Tod von Tuğçe Albayrak

Letzte Woche ist eine Tochter, Schwester, Freundin, Kommilitonin und mutige Helferin von uns gegangen, Tuğçe Albayrak,  eine junge Frau, die noch viel vorhatte in einem Leben, das viel zu früh endete. Seitdem wird getrauert, der Familie Beistand gewünscht, im Netz nicht enden wollende Solidarität bekundet, Zivilcourage erneut diskutiert – national und international.

Via facebook.com/pages/Tuğçe-zeigte-Zivilcourage-zeigen-wir-Ihr-unseren-Respekt

Eko Fresh (via facebook.com/pages/Tuğçe-zeigte-Zivilcourage-zeigen-wir-Ihr-unseren-Respekt)

Wichtige Überlegungen zum Einschreiten in Gefahrensituationen und über aktives Handeln und Zivilcourage nach der Betroffenheit lieferte Heng in einem wichtigen Text für das Missy Magazine. „Das Mindeste, das Tuğçe von uns verdient, ist nicht nur Respekt, sondern auch das Überdenken eigener Handlungen, die Erhöhung einer allgemeinen Aufmerksamkeit und den Mut, selbst zu intervenieren“, schreibt sie, und ich stimme voll zu.

Was ebenfalls überdacht werden sollte: Der kulturelle Zusammenhang des gewaltvollen Übergriffs, der eben nicht in einem luftleeren Raum stattgefunden hat, sondern in einer Gesellschaft, die nach wie vor die Belästigung von *Frauen und *Mädchen als gängiges Verhaltensrepertoire vorsieht, die Rape Culture prägt und Victim Blaiming betreibt. Tuğçe Albayrak ist gestorben, weil sie an einem öffentlichen Ort junge Mädchen vor Übergriffigkeiten geschützt hat. Wenn junge Mädchen an einem so öffentlichen (!) Ort wie einer McDonalds-Filiale belästigt werden, wenn sich dort bis auf eine junge Frau wie Tuğçe und ihre Freundinnen niemand daran stört dass es einen hörbaren Übergriff gibt, wenn niemand einschreitet außer eben beherzte Gäst_innen, dann hat das nichts mehr mit tragischen Zufälligkeiten und Einzelfallausrastern zu tun, sondern mit einer Gesellschaft, die derartige Übergriffe bagatellisiert und patriarchale Denkmuster stützt und Mikroaggressionen gegen alles, was nicht cismännlich ist, befeuert, und zwar: Immer, überall. Weiterlesen

Getaggt mit , , ,