Femen: Bedürfnisstättenbewegung des neuen Hipster-Sexism, inklusive Antisemitismus und Rassismus

Flickr (c) Orin Zebest

Flickr (c) Orin Zebest

Fand ich sie bisher nur höchst problematisch, kann ich nun nach der letzten Aktion einfach nur sagen, dass es sich beim Phänomen „Femen“ tatsächlich und offensichtlich anscheinend nur um Pseudo-Feminismus handelt, der offen mit rassistischen, anti-semitischen, hetero-normativen und sexistischen Mitteln sowie Elementen des Male-Gaze rumhantiert. Und dabei noch ganz stolz auf sich ist. Fail auf ganzer Linie. Muss es mich wundern, dass die Femen unter anderem Lieblingskinder der EMMA sind? Wohl kaum.

Einen sehr wichtigen offenen Brief verfassten dankenswerterweise die Kolleg_innen von E*vibes – für eine emanzipatorische praxis:

„Im Zuge ihrer Kampagne „Fickt die Sexindustrie“ machten vergangenen Freitag die Femen auf der Herbertstraße in Hamburg auf sich aufmerksam. Der Vergleich zum Dritten Reich ist kaum verkennbar, zieren doch sogar Hakenkreuze einige der Fotos im Internet. Ein ausführliches Statement? Fehlanzeige. Und so häufen sich nun die Fragen. Femen Germany haben bereits 1.714 sogenannte Facebook-Likes. Die allgemeine Gruppe Femen zählen sogar 80.414. Grund genug für uns zu fragen wer sind die Femen, wofür stehen sie und welche Botschaften wollen sie uns vermitteln? Folgenden offenen Brief haben wir formuliert.

*Offener Brief an die Femen Germany*

Wir, e*vibes – für eine emanzipatorische praxis, sind eine feministische/sexismuskritische Gruppe aus Dresden. Innerhalb der letzten Wochen sind wir über Facebook vermehrt auf euch als Femen Germany aufmerksam geworden. Vergangenen Montag dann haben wir von eurer Aktion in Hamburg erfahren. Nachdem wir den ersten Schock überwunden hatten, haben wir uns ein Herz gefasst und schreiben euch nun diesen Brief. Ein Brief mit einigen der vielen drängenden Fragen.Auf eurer Seite verlinkt ihr die internationale Seite Femen.org. Das Selbstverständnis, welches dort zu finden ist, haben wir uns einmal genauer angeschaut. Es hat sich gelohnt, denn bereits hier taten sich einige Fragen auf: Können Frauen ohne Brüste Femen sein? Wie definiert ihr „Frauen“? Was ist mit Trans*menschen? „Activists of FEMEN – are morally and physically fit soldiers“ Was bedeutet „physisch und moralisch fit“? Können „nicht physisch fitte“ Menschen Femen sein?

Warum Soldat*innen?

Welche Symbolik verbirgt sich hinter den Blumen im Haar? Dies wird aus unserer Sicht innerhalb des Selbstverständnisses nicht ganz deutlich.

„hot boobs, cool head and clean hands“ Wie sehen „nicht heiß“e Brüste aus? Muss die Brust einem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen? „Kühler Kopf“ steht wahrscheinlich für Intellekt, der auch im Vorfeld schon angesprochen wird. Wie wird Intellekt definiert und was ist mit Menschen, die das gewünschte Maß nicht vorweisen können? Ab welchem IQ darf mensch bei euch mitmachen? Wofür steht „saubere Hände“? Erste Assoziation: „Ich wasche meine Hände in Unschuld. „Wie definiert ihr Ideologie, Demokratie und Patriarchat? Im Selbstverständnis steht, dass sich das Patriarchat auf drei Bereiche begrenzt: Diktatur, Kirche und Sexindustrie. Wie, glaubt ihr, ist es strukturiert? Unabhängig vom Selbstverständnis auf femen.org haben wir noch ein paar Fragen zu euch als Femen Germany. (…)“

Hier könnt Ihr weiterlesen.
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32 Gedanken zu „Femen: Bedürfnisstättenbewegung des neuen Hipster-Sexism, inklusive Antisemitismus und Rassismus

  1. Redaktion sagt:

    Man müsste Femen sicherlich auch fragen, ob und inwiefern sie mit der nazionalisozialistischen Prostitutionspolitik (und den Widersprüchen derselben) vertraut sind und wie sie sich ein Vergelich jener Politik mit der heutigen vorstellen. Es ist zu vermuten, dass Femen in dieser Hinsicht etwas (oder auch etwas mehr) uninformiert ist – zumal es heute Sexarbeiter_innen-Bewegungen und Organisationen gibt, die ganz sicher nicht als „faschistische Sexindustrie“ bezeichnet werden sollten – es sei denn, man möchte diese (wieder mal) entmündigen.

    Und zuletzt: Wie soll denn bitte diese Aufschrift „Arbeit macht frei“ verstanden werden?

  2. accalmie sagt:

    Wer mit Fackeln durch Strassen marschiert, „Arbeit macht frei“ an Hauswände sprüht, „Prostitution is genocide“-Plakate trägt, und das Ganze dann unter das offizielle Motto „F*ckt die Sexindustire“ (das „x“ dabei als stilisiertes Hakenkreuz) stellt, der_die kann sich nicht damit rausreden, „uninformiert“ zu sein – das ist Provokation und Pseudoaktivismus mit Antisemitismus und Rassismus (von all den anderen Diskriminierungsstrukturen, die Femen ständig reproduzieren, sollte man übrigens auch nicht schweigen: e*vibes‘ Brief stellt das ja deutlich heraus).

    Ob sie mit NS-Sex-Work-Politik vertraut sind oder nicht spielt dabei gar keine Rolle – solche Mittel zu wählen ist einfach grundsätzlich widerlich und shoahverharmlosend.

    Im übrigen finde ich „uninformiert“ niemals ein Argument gegen oder eine Entschuldigung für -ismen, und erstrecht nicht bei Femen, die ihre FB-Homepage mit Deutschlandflaggen verzieren.

    Wenn Femen hingegen die NS-Sex-Work-Politik bekannt sein sollte, dann ist das nochmal ekelhafter auf einem neuen Level, by the way.

    • Nur um das nochmal klarzustellen: Mein Beitrag sollte einfach nur eine zusätzliche Frage an Femen sein und weder als Entschuldigung noch als Argument für irgendwas sein. Das war auch keine Kritik an der Kritik sondern eine Ergänzung, die ich schlicht und ergreifend für notwendig halte. Ich finde eben nicht, dass die Kenntnis der Geschichte des NS z.B. bei der Shoah aufhören darf, denn wenn hier (oder bei Femen) über Prostitution geredet wird, dann ist es das Mindeste, das diese Personen eine Kenntnis und Vertrautheit mit dem Umgang mit Prostituierten im NS mitbringen.

      Dass solche Symbole und Begriffe grundsätzlich nicht zu verwenden sind: geschenkt!

      Zum Begriff „NS-Sex-Work“ Politik kann man außerdem sagen, dass der auch verharmlosend ist, denn Prostituierte wurden wie viele andere sogenannte „Asoziale“ zu Zwangsarbeit gezwungen und in Lager gesteckt. Das als „Sex-Work“ Politik zu bezeichnen, verharmlost die Behandlung von Prostituierten (und zur Prostitution gezwungenen Frauen) im Dritten Reich, denn das war eine Politik der Ausgrenzung und Stigmatisierung, die man am besten nicht mit dem Begriff „sex work“ assoziiert, weil „sex work“ eben positiv konnotiert ist, auf die Rechte und Forderungen von Sexarbeiter_innen abzielt und ganz sicher nicht mit NS-Politik verglichen werden kann.

      Zuletzt: Die Tatsache, dass unser Blog „menschenhandel heute“ heißt, heißt noch lange nicht, dass wir mit Femens Aktionen gegen Prostitution sympathisieren.

  3. accalmie sagt:

    Bitte „Prostitution“ nachschlagen und keine Strohmänner aufbauen (z.B., dass ich hier sex work mit NS-Politik vergleiche oder jene NS-Politik verharmlose… WOW…). Danke.

    • Bitte den Kommentar genau lesen, bevor Du mir den Vergleich von „Sex Work“ mit „NS-Poltik“ vorwirfst, denn das habe ich nun wirklich nicht getan. Meine Kritik bezieht sich auf den von Dir verwendeten Begriff „NS-Sex-Work-Politik“. Es ist eine Zumutung den Umgang im NS mit Prostituierten und Sexarbeitern_innen als „sex-work-Politik“ zu bezeichnen. Warum? Naja, lese Dich mal ein, würde ich an dieser Stelle sagen! Aber vielleicht kannst Du in der Zwischenzeit erklären, was Du unter „NS Sex Work Politik“ genau meinst, denn so weit ich weiß gibt es das nicht – weder als Begriff noch als Fakt.

      • accalmie sagt:

        m(! Meine Güte, Dir ist doch hoffentlich klar, dass ich hier nicht KZ-„Bordelle“ „(was ja immer noch ein Euphemismus ist) „sex work“ nenne oder da eine Freiwilligkeit hineinlese, oder? Es geht um NS-Politik/-gesetze zu sex work in diesem Satz, nicht um (sexualisierte) Vernichtungspolitik – da muss man Menschen_Betroffene unterscheiden können. Und jetzt: /derailing. Danke für den Artikel, Nadia!

  4. Nun ja, die einzige „Sexarbeit“ im NS war Zwangsarbeit und die „Sexarbeit“, so wie wir sie kennen war verboten und mit Lager usw. bestraft. Welche Gesetze zu SexWork m,einst Du denn jetzt?

    P.S. Ich habe das Gefühl, dass wir hier aneinander vorbei reden, obwohl sich unsere Meinungen nicht wirklich unterscheiden. Dennoch fühle ich mich angegriffen – durch Ton und Worte und ich finde das wirklich unnötig. Warum können wir das nicht sachlicher ausdiskutieren?

  5. tarka sagt:

    was genau meinen denn die femes mit porno-industrie? bevor ich mich vergaloppiere: Prostitution ist genau was? Schließt das freiwillige sexarbeit mit ein? seit ich mal mit nem ex-hells-angel gesprochen habe, interessiert mich dieses thema. davor dacht ich immer dieser gruselige aspekt des porn-buiss wäre eine totale aufbauschung. wo kann ich mich informieren. danke

  6. Jimbo Jones sagt:

    Und ich dachte immer nur, FEMEN sei tendenziell „durchgeknallt“. Für mich scheint es eher, dass diese Organisationeine sehr fahrlässige Herangehensweise hat und sich über die Konsequenzen ihrer Aktionen nicht im Klaren sind. Hauptsache nackt, hauptsache laut und hauptsache mit der Presse.

    Und was bedeutet „hetero-normativ“?

  7. johanna sagt:

    hi 🙂

    ich möchte einmal ein gedankenexperiment mit euch teilen: stellt euch vor eine gruppe durchmischter frauen, alt, jung was auch immer, stellt sich irgendwohin, normale kleidung (was ist normal? antwort: whatever, kleidung halt)..nunja diese frauen halten banner in der hand, sie wollen aufmerksamkeit..

    denkt ihr sie werden diese aufmerksamkeit bekommen?

    es ist wohl logisch dass in einer relativ sexistischen, die frau als solche objektivierenden gesellschaft mit medien, nacktem busen und gnadenloser provokation mehr erreicht wird.

    ich bewerte das nicht, ist nur ein fakt wie ich denke.

    und desweiteren: was ist einzuwenden gegen brüste? wäre es nicht schön wenn eine frau nichtmehr permanent nach ihrem äußeren beurteilt würde?
    mal ist sie zu angezogen, mal zu nackt, wäre es nicht schön wenn sich frauen dieselben freiheiten nehmen könnten wie männer, die selbstverständlicherweise im sommer oben ohne durch die stadt flanieren?

    was man nun auch von femen hält, sie bereiten den weg, sie zeigen ihre körper selbstbewusst. hot boobs.. schaut euch die fotos an die veröffentlicht wurden es sind alle arten brüste dabei, es geht nicht um schönheitsideale es geht darum dass der weibliche körper nicht verhüllt werden muss.

    natürlich heißt das nicht dass wir nun alle nackt auf die straße gehen sollten, aber ich finde es erfreulich dass aufeinmal frauen ERNST genommen werden, die schön sind, die nackt sind, die verschieden sind und die laut sind auch wenn sie dabei grenzen überschreiten.

    in den meisten sozialen bereichen (bsp. arbeitsplatz) reicht schon die „schönheit“ (vorhanden oder eben nicht, liegt im auge des betrachters, ) einer frau um sie für diese oder jene tätigkeit zu disqualifizieren.

    und liebe grüße

    p.s. lasst das spalten sein, gegenseitige kritik ist cool, andere deswegen als pseudofeministen zu „enttarnen“ nützt niemandem, schon garnicht dem feminismus als solchem.

    • murxus sagt:

      Liebe Johanna – mach dein lustiges, nutzloses Gedankenexperiment einmal mit ’normalen Männern in Kleidung halt‘ statt Frauen und dir wird auffallen wie hirnbefreit es ist.

  8. […] auf anderen Stellen wird FEMEN verbal attackiert und kritisiert. Für viele Deutsche ist die Art und Weise, wie FEMEN ihre Proteste durchführen […]

  9. femendeOlga sagt:

    Viel Kritik an FEMEN, wie man sieht. Sie sind einfach mit Elbogen mit eigenen Werten, Zielen, Parolen in die mittlerweile uralte FEMEN Kultur eingedrungen. Hier ist noch ein guter Artikel mit Kritiken aus verschiedenen Gesichtspunkten: http://www.gwi-boell.de/web/international-internationaler-frauentag-ukraine-femen-mayerchyk-plakhotnik-3768.html

  10. femendeOlga sagt:

    ich meinte natürlich “ uralte feministische Kultur “ und nicht FEMEN Kultur gemeint 🙂

  11. Gan-Chan sagt:

    Danke, Johanna, so sehe ich das auch!

    Was die Bezugnahme auf die deutsche NS-Vergangenheit betrifft, halte ich diese uebrigens fuer richtig. Ich halte es fuer falsch und fasse es oftmals als Verhoehnung der vielen NS-Opfer auf, wenn immer wieder diverse Missstaende aus der Gegenwart mit der schaendlichen Vorgangsweise der Nazis verglichen wird. Das passiert immer wieder und man soll es erkennen und kritisieren, finde ich. Bei den FEMEN ist es allerdings keinesfalls eine Verharmlosung. Es ist eher so etwas wie ein durchgestrichenes Hakenkreuz, welches in einen Muelleimer geworfen wird; aufgenaeht auf eine Jacke eines Punks. Wegen dieses klaren „Gegen Nazi’s“ Button an der Jacke sind in Deutschland einige Menschen vor Gericht gelandet und wurden wegen Verwendung der Symbole verurteilt. Der Sinn des Gesetzes war und ist es gegen Nazis eine Handhabe zu haben. Das buerokratische Deutschland macht es aber immer wieder moeglich das diametral umzukehren.

    Zurueck zu den FEMEN und deren Anspielungen, die ich fuer richtig halte. Die meisten Deutschen sind immer noch latent Anti-Semiten. Vielleicht ist es auch in anderen Laendern Europas so, aber da kenne ich die Situation zu wenig, da ich dort nicht lebe. Es ist, als ob irgendetwas im Gehirn programmiert wurde. Mich betruebt es immer wieder auf’s neue, wenn ich hoeren muss – und ich muss es leider oft hoeren! -, dass doch die Juden die USA regieren und in Deutschland die Macht haben, die Juden den Finanzmarkt weltweit beherrschen, man doch nur Israel kritisiert, aber nichts gegen Juden an sich haette, man froh waere keinen juedischen Namen zu haben, 9/11 kein einziger Jude im WTC gewesen waere, obwohl die dort sonst sind etc.
    Das muss ich nicht von irgendwelchen konservativen, alten Kerlen hoeren, nein, es kann immer und überalle von der 20jaehrigen Sekretaerin bis zum 40jaehrigen Rechtsanwalt passieren. Ich lehne monotheistische Religionen ab und bin auch kein religioeser Jude. Wenn der Bezug zu Israel bekannt ist, nehmen sich Deutsche mir gegenueber zurueck und beschraenken den Anti-Semitismus auf die dem deutschen offenbar elementar wichtige Israel-Kritik. Religioese Muslims brechen dann allerdings den Kontakt ab.

    Die FEMEN machen auf diesen in Deutschland latent vorhandenen Anti-Semitismus aufmerksam. Provokativ und speziell fuer Deutschland.

    • Chnutz sagt:

      Es ärgert mich zutiefst, dass immer wieder, so auch im Kommentar von Gan-Chan, Religion und Staat in einen Topf geworfen werden. Zitat: „beschraenken den Anti-Semitismus auf die dem deutschen offenbar elementar wichtige Israel-Kritik.“
      Ich bin demnach Antisemit, wenn ich gegen die Politik des israelischen Staates bin?! Oder reicht es gar, dass ich Deutscher bin?!
      Mir sind Herkunft, Anatomie & Religion eines Mitmenschen vollständig egal, solange er nicht einer dieser Eigenschaften zum Anlass nimmt, mich zu diskriminieren. Aber nach Ihrer persönlichen Definition haben Sie, Gan-Chan, natürlich recht: Da bin ich wohl genauso Antisemit wie dann auch „die meisten Deutschen“, die UN, die laufend Resolutionen gegen Israel beschließt und eigentlich alle, ausser – nun ja – den Israelis. Und selbst unter ihnen gibt es scheinbar Antisemiten, da einige gegen die Siedlungspolitik der eigenen Regierung auf die Straße gehen.
      Nach meiner offensichtlich völlig blinden, unreflektierten Definition allerdings bin ich kein Antisemit, da ich gegen Staatswillkür und Gewalt von jeder Seite bin.
      Wahrscheinlich darf ich das alles aber gar nicht äussern, so als Deutscher…

      Nun zur Nutzung von NS-Symbolen durch FEMEN:
      Ich glaube beim besten Willen nicht, dass FEMEN auch auf Antisemitismus aufmerksam machen will. FEMEN will schockieren und damit wachrütteln. In Deutschland taucht dazu am besten das Kokettieren mit Nazithemen, deshalb nutzen sie diese Symbolik.
      Den Vergleich sehe ich nur zwar nur selten als Verhöhnung (außer z.B. wenn die die neuen Anhänger der Täter sich und ihre Vorgänger als Opfer gerieren), doch fürchte ich auch eine gewisse Abnutzung der Symbolik zum Schaden der alten und neuen Opfer von rechtem Terror.
      Aber FEMEN hat in einem Punkt recht: Die entführten ZwangsarbeiterInnen aus Osteuropa damals und die von heute (Zwangsprostitution) dürfen, finde ich, durchaus in einem Atemzug genannt werden. Beide teilen ein grausames Schicksal, auch wenn sie jetzt Strapse statt Sträflingskleidung tragen müssen.

      • Gan-Chan sagt:

        @Chnutz:
        Bei mir ist derjenige Anti-Semit, der keine Ahnung von der Lebensrealitaet in Israel hat und dauernd abfaelliges ueber die einzige Demokratie im Nahen Osten sagt und diese verurteilt, um im Nebensatz anzumerken, dass er ja nie die Juedinnen meint. Versucht man es mit Argumenten, beruft sich dieser Anti-Semit in der Regel auf die Mainstream-Medien oder irgendwelche obskuren Organisationen. Gleichzeitig hoert man nie etwas ueber Nord-Korea, dem Iran, den vergewaltigten Frauen in Uganda, FGM etc. Das nimmt der Anti-Semit teilweise vielleicht sogar zur Kenntnis und hakt es unter ‚Alltag‘ ab.

        Vor solchen Menschen gruselt mir ehrlich gesagt. Ob das Deutsche sind oder nicht ist mir voellig egal, da ich die Menschen nie nach Nationalitaet oder anderen patriarchalen Klassifizierungen sortiere.

      • Chnutz sagt:

        Nach Ihrer Definition bin ich ja doch ganz knapp kein Anti-Semit, obwohl ich es wage, die sogenannte „einzige Demokratie im Nahen Osten“ zu kritisieren. Ich nehme zumindest an, dass Sie mir nachsehen, dass ich mich bislang nicht über Vergewaltigungen in Uganda geäußert habe, nur gegen Vergewaltigungen allgemein.
        Wieso ich allerdings diesen genannten Protestkanon abarbeiten muss, um Handlungen & Haltungen eines Staates falsch zu finden, ist mir nicht eingängig.
        Darf ein Staat unkritisiert etwas falsch machen, weil andere Staaten auch etwas falsch machen?!

        Zwei Fragen noch zu Ihren Äußerungen:

        „Die meisten Deutschen sind immer noch latent Anti-Semiten“
        Woher wissen Sie, dass diese „meisten Deutschen“ Ihrer nachgelieferten Definition von Antisemitismus entsprechen? Gibt es da eine Quelle? Ihre Formulierung, Sie wüßten es von anderen Ländern nicht, impliziert, dass Ihnen für ‚Deutschland‘ eine vorliegt.

        Wie passt Ihre Klassifizierung „Die meisten Deutschen“ im vorzitierten Satz zu Ihrer Aussage:
        „da ich die Menschen nie nach Nationalitaet oder anderen patriarchalen Klassifizierungen sortiere“?

        Und zu FEMEN:
        „Das Ziel der FEMEN sollte es doch sein moeglichst viele Frauen ins Boot zu holen und moeglichst effizient zu sein, um die diversen Ziele zu erreichen.“
        Sollten wirklich möglichst viele Frauen barbusig und bemalt Veranstaltungen stürmen!? 😉
        Ich sehe FEMEN in der schwierigen Rolle von KünstlerInnen, die mit ihren Aktionen auf ein wichtiges gesellschaftliches Problem hinweisen und damit das Problem einerseits in die Öffentlichkeit tragen, es andererseits aber schlimmstenfalls auch zu banalisieren.
        Ein Hitler-/NS-Vergleich birgt diese Gefahr, da es dergleichen schon zuviel gab.

  12. Gan-Chan sagt:

    Ueber die Wichtigkeit gegen die Sexindustrie in Deutschland zu kaempfen, laesst sich streiten.

    Ich selbst (maennlich) werde die FEMEN unterstuetzen, weil ich die Vorgangsweise des „New Feminism“ sehr gut finde. Ebenso werde ich andere Feministinnen unterstuetzen, die eher auf den klassischen Diskurs, um das mal so zu nennen, setzen. Ich halte allerdings nichts davon, wenn sich Feministinnen untereinander bekaempfen und mehr Energie auf die Diskussion der „richtigen“ oder „falschen“ Vorgangsweise verwenden, denn auf den Kampf gegen das Patriarchat an sich.

    Nach meiner bescheidenen, maennlichen Meinung ist das primaere Ziel des Feminismus eine gelebte Gleichberechtigung zu etablieren. Das kann ich immer unterstuetzen, obgleich es fuer mich nur ein Zwischenziel darstellt. Mir ist wichtig das Leben, die Situation fuer moeglichst viele Frauen (idealerweise alle, was aber nie moeglich sein wird) so gut es geht zu verbessern und deren Lebensqualitaet sukzessive zu erhoehen. Die Mittel um das zu realisieren sind fuer mich sekundaer. Am Patriarchat will ich nichts (fuer Frauen) verbessern, sondern es vernichtet wissen. Bei den letzteren beiden Punkten unterscheide ich mich schon zu einigen Feministinnen. Die FEMEN, finde ich, arbeiten in diesen Tagen effizienter, da nicht alles bis ins letzte Detail diskutiert und analysiert wird, sondern einfach mal gehandelt wird. Und wenn man dazu voruebergehend die Waffen des Patriarchat nutzt, um dieses zu bekaempfen, auch gut.

    Soweit meine bescheidene Meinung zum Thema.

  13. Gan-Chan sagt:

    Ich moechte noch kurz etwas ergaenzen. Inzwischen habe ich viele verschiedene Meinungen zu den FEMEN gehoert. Ein grosses Problem auf FEMEN Seite scheint die mangelnde Kommunikationsbereitschaft zu sein. Jede Aktion von Feministinnen erfreut mich. Zu den FEMEN werde ich versuchen meine Meinung nicht mehr kundzutun. Ich bin naemlich ueber einiges an Intransparenz sehr irritiert und es gibt niemand, die gewisse Dinge widerlegen. Sollte das so bleiben, bleibt auch bei mir der Eindruck, dass die FEMEN eher eine Pop-Group/Girls-Group sind, die statt Musik etwas anderes kuenstlerisches produzieren. Ein positiver Nebeneffekt fuer den Feminismus ist dann zwar auch noch vorhanden, aber meine Euphorie ist verschwunden.

    Aber wer weiss? Vielleicht beginnt am 5 Maerz in Leipzig ein Dialog?
    Sollte es keine elitaere Klein-Gruppe sein – auf jeden Fall Viel Erfolg!

  14. Jasmin sagt:

    Selbst Feministen hat die Aktion in der Hamburger Herberts-Straße (ein prostitutioneller Seitenarm der Reeperbahn) verärgert. Als zu radikal und zu anstößig wurde diese Tat verurteilt und plötzlich stehen die jungen Damen von FEMEN alleine in einer Männer dominierenden Welt dar. Ob sie den Kampf gewinnen werden, wird sich mit der Anzahl ihrer freizügigen Proteste beweisen.

    Femen-Aktivistinnen in Berlin

    • Gan-Chan sagt:

      @Jasmin:

      Feministinnen sind allerdings keine homogene, sondern eine vielfaeltige Gruppe, Ma’am.
      Deshalb wird es immer Feministinnen geben, die von den FEMEN begeistert sind und welche, die es nicht sind.

      Mir ist nur wichtig, dass dem patriarchalen System groesstmoeglicher Schaden zugefuegt wird bis es am Ende kollabiert. Die Gesinnung der Feministin ist mir dabei im jetzigen Stadium egal. Von den FEMEN bin ich allerdings enttaeuscht. Auf den ersten Blick sind sie sehr effizient und erfolgversprechend. Je weiter man sich allerdings mit ihnen beschaeftigt umso schneller verpufft diese Hoffnung. Das Ziel der FEMEN sollte es doch sein moeglichst viele Frauen ins Boot zu holen und moeglichst effizient zu sein, um die diversen Ziele zu erreichen. Stattdessen scheint das ein sehr selektiver Zirkel zu sein. Dem sollte mal jemand nachgehen. Oder hat sich noch niemand gefragt, welche speziellen Journalisten und warum zu welchen Protest-Events eingeladen werden? Recherchiert mal in diese Richtung, Leute!

      Danke auch fuer das Tagelspiegel Video, Jasmin. Irgendwie auch lustig. Das sind die Guten, das sind die Boesen und die anderen kapieren es halt nur nicht. Es wird ja auch suggeriert, dass da sich jede Frau beteiligen kann. Versucht auch das mal, verehrte Feministinnen. Wuerde mich auch interessieren, wie das dann funktioniert. Es sollte auch genuegend Moeglichkeiten der Beteiligung fuer Feministinnen geben, die nicht im kalten Winter ausgezogen ihren heiligen Koerper der Oeffentlichkeit praesentieren wollen. Auch in diese Richtung recherchiert offenbar noch niemand. Die Hintergruende waeren aber interessant, finde ich. Versucht doch einfach die Kommunikation mit den FEMEN aufzunehmen und berichtet dann bitte hier oder irgendwo im Internet (Blog …).
      Viel Spass & Viel Erfolg!

  15. […] nur  westliche Feminist_innen  grenzen sich von Femen ab: Nachdem Femen einen “International Topless  Jihad Day” als […]

  16. Astrid sagt:

    Ich finde die Femen-Mädchen sehr dumm, weil sie ihre Unfreiheit perpetuieren. Blanke Brust und blanke Achseln sind keine Befreiung der Frau!!!

  17. Gan-Chan sagt:

    Realistisch betrachtet, kann ich bestaetigen, dass die FEMEN dem Patriarchat rund um den Globus zusetzen, wie es alle anderen Feministischen Gruppen bisher nicht in dieser Qualitaet und Intensitaet geschafft haben. Dafuer bin ich gerne bereit auf einige Ungereimtheiten (siehe meine Postings oben) hinwegzusehen.

    Mein primaeres Ziel ist es die Situation fuer so viele Frauen als moeglich zu verbessern. Das gelingt am besten, wenn man das Patriarchat kompromisslos bekaempft und gnadenlos vernichtet. Ich habe Verstaendnis, wenn das nicht der angestrebte Stil von einigen Feministinnen ist, aber das heisst deswegen nicht, dass man sich untereinander bekaempfen sollte.

    Die FEMEN werden die Welt veraendern und ich werde das unterstuetzen!

    @ Astrid:
    Meinst Du mit „blanke Achseln“ „no pubic hair“? Das ist mir auch schon aufgefallen. Aber als Mann habe ich gelernt, dass man in diesen Tagen leider nicht oft mit Pubic Hair bei Frauen erwarten kann, ohne als „weird“ zu gelten.

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  21. zeno sagt:

    wenn die wohlgemerkt jungen Frauen oben ohne protestieren wollen, dann sollen sie es ruhig tun aber eigentlich protestieren sie genau mit den gleichen sexistischen und teilweise auch dogmatischen Mitteln, die sie anprangern 😦 schade

  22. Gan-Chan sagt:

    @Zeno:

    Das ist aber gerade der Femen-Effekt, der effektiv gegen das patriarchale System wirkt. Das muss man erst realisieren, denn es ist ungewohnt. Die meisten Frauen sind sich ihrer Weiblichen Macht nicht bewusst. Vor allem wenn sie noch nicht als Feministinnen sehen und die Mechanismen der Gesellschaft hinterfragt haben. Die Femen sind sich der Macht bewusst. Nun fehlte nur noch der Weg um den „Mainstream“ zu erreichen. Da haben sie sich in der patriarchalen Waffenkiste bedient! Das funktioniert, wie wir sehen. Ich finde das gut und kann nicht erkennen, dass irgendetwas sexistisch gewesen waere, was die Femen getan haben. Sie sind aber praesent und schaffen Bewusstsein. Und zwar solcherart, dass es auch einen sexistischen Typen irgendwann erreicht. Mir persoenlich sind die Methoden relativ egal mit denen das Patriarchat bekaempft wird. Wichtig ist mir nur, dass es restlos zerstoert wird.

  23. […] Abneigung gegen die FEMEN ließ sich bald nicht mehr nur in, sondern auch außerhalb Shehadistans nachlesen. Und wenn ich das Internet nicht vollkritzelte, […]

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