One Day / Nix bereuen. Ein Julia Engelmann-Remix mit Happy-End.

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein, und wir könnten dann an all die Geschichten denken die wir hätten erzählen können, doch stattdessen lachen wir: „Hätte-hätte-Fahrradkette!“, und wir prosten uns zu mit Schnaps.

Und wir sind faul und planlos und hängen nur so ‚rum, und manchmal gucken wir stundenlang in den Himmel aber deswegen ist bestimmt keiner von uns „dumm“. Und die Listen, die lassen wir liegen, und gehen stattdessen mal mit unserem inneren Schweinehund spazieren, und dann streicheln wir ihn und sagen: „Ganz ehrlich, Bruder, auch wenn Dich alle hassen: Ich finde Dich eigentlich gar nicht so schlimm.“

Unser Leben ist ein Wartezimmer, und dort gucken wir auf unsere Smartphones und keiner ruft uns auf, aber Renate Bergmann ruft an und sagt: „Es gibt Kuchen bei mir. Um drei!“

Und sie ist die einzige die auf unserer Liste steht. Weil wir das mit der Selbstoptimierung und dem ganzen Leistungsquatsch jetzt nämlich einfach nicht mehr machen! Ätsch! Deswegen muss sich bei uns auch nicht mehr alles reimen. Und wir haben eine ganze Menge zu verlieren, zum Beispiel unsere Einkaufswagenchips. Und wir wissen inzwischen dass Mut kein Anagramm ist, sondern etwas, was man sich auch leisten können muss – was schwer ist, wenn die Rente oder alles andere ganz klein ist.

Und ob wir bis dahin die Buddenbrooks oder irgendein anderes Superdupergutfindbuch gelesen haben oder nicht oder ob irgendwo auf der Welt ein Sack Reis umfällt, wir sagen uns: Ist alles nicht so schlimm! Und tut auch keinem weh!

Und Silvester machen wir’s uns schön, und wir machen nix mit Vorsätzen und anderem Gedöns, und bei der Tagesschau schalten wir grundsätzlich um, weil Renate sagt: „Dieser ganze neo-liberale Scheiß! Das kann ich nicht am Kopp haben!“, und wir stricken Socken die niemals jemand anzieht weil wir sie einfach wieder aufribbeln werden, einfach, weil wir es können, und weil nicht immer alles einen Sinn haben muss, und wir prosten uns zu mit Schnaps und sagen: „Auf uns!“, und wir kauen ‚rum auf Schnittchen, und wir verbrennen die alten To-Do-Listen im Schnee, und Renate hat Kanonenschläge gekauft, und Julia Engelmann kommt mit einer Flasche Korn um die Ecke sagt: „Nächstes Jahr schlafe ich extra jeden Tag aus! Diese leistungsbetonte Spaßgesellschaft kann mich nämlich mal!“

Denn so, Baby, wird es vielleicht nämlich sein wenn wir alt sind, oh Baby, wenn wir alt sind, und auch dann wird es jeden Tag noch Geschichten geben die wir erzählen können – auch, wenn sie eigentlich ganz klein sind.

(Dank an Leonie, @NoAverageRobot & @formprim. Und kraftfuttermischwerk.)

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7 Gedanken zu „One Day / Nix bereuen. Ein Julia Engelmann-Remix mit Happy-End.

  1. AnonymBitte sagt:

    Was für eine engstirnige vollpunktuierte Interpretation dieses Textes. Ich verstehe den Punkt schon irgendwie. Aber hey!, diese Reduzierung ist wesentlich weniger vielseitig als der Text selber, sondern hämmert nur lässig auf einem Punkt rum. Ich finde das echt schwach. Viel schwächer als die Schwächen des Originals.

    • theo b. sagt:

      y’a plein de philosophes, mais plus d’philosophie….und weitaus bessere 3 – 5minütige abhandlungen zum thema über die man sich auslassen könnte, gibts zu genüge….also carpe diem im pott scheint die sonne….

  2. […] aus dem letzten Sommer. Wir haben es uns nicht nehmen lassen den Beitrag einmal umzudichten (Nadia) und einzulesen […]

  3. […] Nadia hat einen Text über Julia geschrieben. Und Charlott hat ihn vertont. […]

  4. Ein Netzlebewesen, das sich Stasi-Antje nennt, erinnert an Wladimir Majakowski: Geheimnis der Jugend.

  5. […] Nadia werden die Inhalte der Rede veralbert und natürlich ist es so, dass sich Handeln und Mut beileibe nicht immer […]

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