Aus unaktuellem Anlass…

muriels wedding

… möchte ich nochmal die folgende Sachverhaltsklärung bemühen:

Zur Beruhigung: Die Freiheit und das Recht, frauenfeindliche Fotos (auch solche, die Gewalt gegen Frauen irgendwie ganz neckisch finden) bei Instagram und sonstwo zu posten, besteht weiterhin. Es ist durch berechtigte Kritik von Internetsurfer_innen nicht in Gefahr!!!111einself

Ebenso besteht weiterhin das Recht, frauenfeindliche Witze total witzig zu finden, und damit einhergehend auch das Recht, frauenfeindliche Bilder total witzig zu finden, und das Recht, Kritik an Frauenfeindlichkeit total unwitzig zu finden. Aber, Achtung, Achtung!: Es verfällt die Garantie, dass 100% der Rezipient_innen im Internet reproduzierte Frauenfeindlichkeit total spritzig, total fetzig und total kuhl finden.

Nigella Lawson, oder: Die Geschichte der schrecklichen Essensfotos einer Spitzenköchin

Nobody’s perfect, nicht mal Nigella Lawson, die ja eeigentlich eine totale Bombe ist: Ihr Kochkünste sind der Knaller, ihre YouTube-Videos ein Traum, und eine Frau, die nachts nach Hause kommt und denkt: “Hmmm, jetzt erstmal einen Croissant-Pudding kochen!” – also die finde ich ja eh schon aus Prinzip spitze. Ihre Bücher sind Mega-Bestseller, über eine Million Follower_innen liegen ihr bei Facebook zu Füßen, und alles könnte so schön sein. Wenn es nicht diese fürchterlichen Essensbilder geben würde die sie ständig im Internet hochlädt (trotz Filter, trotz Instagram, trotz vieler andere Durchschnittskochkünstler_innen, die ein einfaches Marmeladenbrot bei Instagram besser präsentieren können als Nigella ihr feinstes Käse-Nudelgericht). Ich habe die besten Bilder mal gesammelt – und vielleicht möchtet Ihr am Wochenende ja das ein oder andere hier präsentierte Amuse-Gueule “nachzaubern”.

Kommen wir zum ersten Bild des Grauens:

Ein Haufen... irgendwas. Quelle: facebook.com/NigellaLawson

facebook.com/NigellaLawson (c) Francesca Yorke

Was kann das sein? Ein verhunzter Currywurst-Auflauf? Irgendein zerkochtes Boeuf Bourguignon? Oder, noch schlimmer, irgendwas, das schon mal gegessen wurde? Falsch, falsch, falsch! Es handelt sich um “EASY STICKY TOFFEE PUDDING”. Und er wird wohl besser schmecken als er aussieht!

Auch dieses Bild kommt direkt aus der Hölle:

facebook.com/NigellaLawson

Was auf den ersten Blick aussieht wie eine versiffte Regentonne von oben oder ein Sud, der zu lange bei 42 Grad im Schatten vor sich hin schimmeln konnte, entpuppt sich als handgemachte, solide Brühe. Brrrrrrr.

Und der nächste Abturn:

facebook.com/NigellaLawson

facebook.com/NigellaLawson

Chicken Nuggets an sich sind ja schon eine Qual. Chicken Nuggets die nach frittiertem Häuflein aussehen machen es da nicht besser (vor allem, wenn kein guter Filter drübergezogen wurde). Weiterlesen

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Blondie – Maria

Ein Mittagspausengassenhauer.

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Liebe deutsche Presse, es wird wieder über “die Ausländer” geschrieben? Jippieh! Nicht!

(Ich weiß ja nicht wer wieder damit angefangen hat den “Ausländer”-Terminus wieder auszugraben, aber meinetwegen können wir ihn gerne wieder in eine Tonne packen.)

Jetzt, wo Pegida und Co. den deutschsprachigen Volksraum aufwühlen, zeigt sich die deutsche Presse – und vornehmlich auch das deutschsprachige Feuilleton – breitflächig einigermaßen entsetzt und angeekelt obschon so vieler total uncooler und peinlicher Demonstrant_innen, und empört muss natürlich gegen diese ganzen rassistischen Wutbürger_innen angeschrieben werden, damit man sich ja schön von diesem unstylishen Pack (ja, auch Lookismus-Späße wurden bereits gemacht) distanziert. Und wie kann das besser gehen, wenn man statt von Rassismus die ganze Zeit lieber von Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit schwafelt und dabei keinerlei Sensibilisierung für den eigenen Sprachgebrauch (und die Bilder, die man damit zeichnet) zeigt? Deutsche Presse, setzen, sechs! Weiterlesen

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Eskapismus

“[Dr. Fileno] … der dachte, er habe ein probates Mittel gegen alle Leiden des Menschen entdeckt, ein unfehlbares Rezept, dass ihm und aller Menschheit bei jedem Unglück, öffentlich wie privat, Trost spenden würde.

Tatsächlich hatte Dr. Fileno nicht so sehr ein Mittel oder ein Rezept entdeckt, sondern vielmehr eine Methode, die darin bestand, von früh bis spät Geschichtswerke zu lesen und sich darin zu üben, die Gegenwart zu betrachten, als wäre sie ein Geschehen, das längst in den Archiven der Vergangenheit begraben lag. Mittels dieser Methode hatte er sich von allem Leid und Ärger kuriert und hatte – ohne vorher sterben zu müssen – zu einem ernsten und gelassenen Seelenfrieden gefunden, dem jene besondere Traurigkeit innewohnte, die auch dann von Friedhöfen ausgehen würde, wenn alle Menschen längst tot wären.”

(Annie Proulx in “Ein Haus in der Wildnis – Erinnerungen” aus Luigi Pirandellos “La tragedia d’un personnagio”.)

Terroranschlag: Was das Patriarchat versäumt hat

Sehr ernstgemeinte Satire, mit Disclaimer: Ich habe mal einen Text aus der ZEIT von Jochen Bittner, der mich so gar nicht überzeugt hat, umgeschrieben. Ich schlage nämlich die folgende Textvariante vor:

Die Differenzierung zwischen Cis-Männlichkeit und cis-männlicher Gewalt war nie falsch, aber unvollständig. Angesichts cis-männlicher Attentate müssen moderate Cis-Männer ihre Lehre hinterfragen.

Nach all den Terror-Schocks, Kriegseinsätzen und militaristischer Gewalt (z.B. durch Drohnenflüge), misogynen Gewalttaten und der weitreichenden Glorifizierung von Gewalt als cis-männliches Qualitätsmerkmal gilt das Differenzierungsgebot: Wir müssen trennen zwischen den netten Cis-Männern und cis-männlicher Gewalt. Es wird auch jetzt, nach dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo, wieder eingefordert werden – wenn sich der Verdacht auf cis-männliche Täterschaft bestätigt (wovon heute auszugehen ist).

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Der musikalische Jahresrückblick: Die besten Tracks 2014

Einmal ohne viel Blabla: Die besten Tracks 2014 (subjektiv ausgewählt).

M83 – Lower Your Eyelids To Die With The Sun

Charli XCX – Boom Clap

Angel Haze – A Tribe Called Red

Jessica Pratt – Back, Baby

Cloud Nothings – I’m not a part of me

DJ Quik – Pet Sematary

Wallis Bird – River of Paper

Hundred Waters – Cavity

Jenny Lewis – Just One Of The Guys

Susanne Blech – 1.000 Jahre Kraftwerk

The War On Drugs – An Ocean In Between The Waves

FKA twigs – Pendulum

Sharon van Etten – Your Love is Killing Me

Lauryn Hill – Black Rage

Angel Olsen – Lights Out

Nicki Minaj – Boss Ass Bitch

Lana Del Rey – Ultraviolence

The Black Keys – Fever

Röyksopp & Robyn – Monument

Kiesza – Hideaway

Sia – Chandelier

Beyoncé – Partition

Lykke Li – No Rest for the Wicked

Damien Rice – I Don’t Want To Change You

Ryan Adams – Kim

Eminem & Rihanna – Monsters

Banks – Brain

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#Freiheit, oder: Digitales Kapital, Viral-Solidarität und die Korrelation von Reichweite und Protest

Es rumpelte gestern in meinem Internet, beziehungsweise: Heute Nacht. Da wurde in meinen Social Network-Accounts ein kleines Lehrstück darüber aufgeführt, wofür junge Menschen heute noch auf die Straße gehen würden – zum Beispiel nämlich für YouTuber_innen  mit in der Tat unangenehmen Geschäftspartner_innen. Die erfolgreiche Internet-Subkultur in Zeiten des Konsumismus hat es geschafft, mit einem Vermarktungsproblem die Massen zu mobilisieren – während viele andere soziale Missstände niemals mit so einer Vehemenz und Reichweite kritisiert werden könnten. Der Hashtag zum YouTuber_innen-Erdrutsch (#Freiheit), ausgelöst durch das Aussteiger-Ankündigungsvideo eines jungen Mannes, trendete weltweit und löste Reaktionen aus, von denen das gutbürgerliche Feuilleton ganzjährig nur träumen kann.

Doch nochmal von Anfang an: Es war gegen elf als mir gestern abend ein kleiner, ganz süßer Tweet in meine Timeline gesetzt wurde, der aber aus unerfindlichen Gründen unfassbar viele Favs hatte:

https://twitter.com/MarenDb/status/546428285551669248

“Irgendwas mit YouTube-Community”, dachte ich mir da schon dunkel, denn die YouTuber_innen versammeln eine Follower_innenschaft in einer Masse, wie sie sich Großverlage und Plattenlabel mit High-End-Marketing-Aktionen erstmal teuer erkaufen müssen. Aber was hatte es mit dem großspurigen Hashtag auf sich? Das sollte sich mir nach und nach eröffnen, als mir später ein Video von einem zumindest im Netz bundesweit bekannten YouTuber, Simon Unge, in meine virtuellen Mietflächen gespült wurde. Ein Mann, ein Video, Millionen Follower_innen, Millionenreaktion. Der Fall war einigermaßen klar. Weiterlesen

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