Didos „Girl Who Got Away“: Zuverlässig wie eine Kuscheldecke

Dido (c) Sony Music

Dido (c) Sony Music

März 2013 in Deutschland. Niemals enden wollende Minusgrade und Schnee, Schnee und noch mehr Schnee. Und ganz ehrlich, auch deswegen war ich froh als die neue Dido-Platte „Girl Who Got Away“ bei mir eintrudelte. Vier Jahre musste man auf das neue Album warten, weil Florian Cloud de Bounevialle O’Malley Armstrong (damit hätte ich mich aber auch Dido genannt, alter Schwede) unverschämterweise in der Zwischenzeit eine Familie gegründet hat.

In der Zwischenzeit ist aber auch viel passiert. Vor allem, wenn man auf die anderen Großbritannien-Exporte blickt: Adele hat sich auf sämtliche Spitzenplätze gespielt und führt auf allen roten Teppichen dieser Welt ihre Abendroben aus, Amy Winehouse ist zwischendurch gestorben, Kate Nash hat auch nochmal ordentlich mit ihrem neuen Album „Girl Talk“ reingeknallt und nur Gott weiß, was eine wie Emeli Sandé noch alles erreichen wird.

Dementsprechend bin ich fast, aber auch nur fast vom Sofa gefallen, als ich irgendwann Anfang März während eines Grippedeliriums auf einmal Dido im Sat1-Frühstücksfernsehen sehen musste. Ich war so schockiert, dass ich mir am liebsten Schnaps in den Tee geschüttet hätte. Oder mir am liebsten irgendwas mit Mohnkapseln aufgebrüht hätte, so wie Hannah und ihre Freunde in der ersten Folge von „Girls„. Und dann erinnerte ich mich einfach: 2013. Und Dido kommt aus der Versenkung zurück. Da rollt keiner einfach so auf die Schnelle mal wieder den roten Monsterteppich aus.

Trotzdem. Im profanen Frühstücksfernsehen hat meine Dido nix verloren – vor allem nicht, wenn sie zu so Schlaftablettenthemen wie ihrer Hochzeit befragt wird. Das Sat1-Frühstücksfernsehen samt seiner musikalischen Sinnlos-Fragen ist gut für alle Sarah Joelles, Bonnie Stranges und Jimmy Blue Ochsenknechts dieser Welt, und nicht für einwandfreie Sängerinnen, die ich seit über einem Jahrzehnt sehr schätze. Dido schlug sich aber wacker und erwartungsgemäß elegant, und, naja, bedanken wir uns einfach, dass ihr wahrscheinlich die peinsame Schmach einer „Wetten dass…?“-Sendung erspart bleiben wird. Ihr wisst. Hört sich wieder unverschämt und blöd von mir an, ist aber so. Ich meine, stellt Euch Adele im deutschen Frühstücksfernsehen vor. Das geht doch nicht!!!

„Girl Who Got Away“ gefällt mir aber auf jeden Fall hundert mal besser als tausend verschiedene Variationen von „Skyfall„. Nicht, weil ich Adele nicht mag. Adele ist für mich mittlerweile sowas wie „Le Cœur de la Mer„, während Dido schon immer eine Biwa-Perle gewesen ist. Und so ist natürlich auch das neue Album: Eine klassisches Kleinod, Didos Stimme zuverlässig wie eine Kuscheldecke, und jeder Track wirkt wie ein unprätentiöses Relikt aus einer anderen Dekade.

Zwischendurch bilde ich mir ein, fast schon antike William-Orbit-artige Sounds und Abmischungen in den Tracks zu hören. Tatsächlich scheint Dido sich ein bisschen in ihrer eigenen Zeit eingefroren zu haben, und ab und zu taucht sie aus ihrer Zeitkapsel halt wieder auf, um mal wieder neue Musik unter die Leute zu bringen. Dazu passt der Albumtitel, den sie als Metapher auf ihr jahrelanges Abgetauchtsein wählte. Dazu passt auch, dass sie zum Beispiel Armin van Buuren für einen Remix-Track auf der Doppel-Deluxe-Ausführung ihres Albums engagiert hat – der wurde ja inzwischen auch völlig unverdient von David Guetta vom DJ-Thron gestoßen. Und deswegen ist das alles ganz großartig – vor allem wenn man wie ich eine große Anhängerin von Zeit-Eskapismus ist. Und meine Anspieltipps sind: „Girl who got away“, „Sitting on the roof of the world“ und „Day before we went to war“.

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