Was bleibt: Schande.

Flickr (c) Bilal Kamoon

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Es gibt sie ja: Sachen, die so scheiße sind, dass man sie sich nicht mal ausdenken muss: Die ganze NSU-Geschichte ist nach wie vor so eine. In Massen prasseln seit Monaten nebulöse Infos, Berichterstattung über „Pannen“ und Verwicklungen und die mögliche Involviertheit staatlicher Behörden auf die (lesende und/oder Nachrichten schauende und/oder im Internet surfende) Bevölkerung ein. Auch betreffend des seit April laufenden Prozesses.

Ich weiß nicht, ob die Masse der Informationen nicht schon längst zur Übermüdung vieler Rezipient_innen geführt hat, getreu dem Motto: „Ach, schon wieder so eine NSU-Meldung, laaaangweilig!“ Und das hier ist wahrscheinlich der fünftausendste Text, der erwartungsgemäß einige weitere übermüdete oder resignierte Köpfe zurücklässt. Die Korrelation zwischen des Volumens der Nachrichtenmasse und darauf folgend einer eher schwachen Empörung scheint mir mittlerweile eklatant (obschon es insgesamt doch viele Empörte gibt, zum Glück, und nur um sich einen weiteren Überblick zu schaffen lohnte diese Woche zum Beispiel ein Blick auf Thomas Mosers Vorwurf, im Zusammenhang mit der NSU-Berichterstattung gäbe es Zensur-Maßnahmen). Und heute nun das:

„Die Mutter des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt hat den Behörden in Thüringen die Verantwortung für die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gegeben. Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München sagte Brigitte Böhnhardt am Dienstag aus, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz hätten 1999 Zusagen gebrochen. „Wenn die Behörden zu ihrem Wort gestanden hätten, dann hätten wir alle drei überreden können, sich zu stellen,“ sagte sie.“ (FAZ)

1999: Das war, als zehn von zehn Erschossenen noch am Leben waren. Rassismus allerdings scheint weiterhin so salonfähig, dass das große Unbehagen sich gesamtgesellschaftlich nicht so wirklich ausbreiten möchte.

Und das bittere ist: Darauf hinzuweisen, dass solange diese ganze Drecksscheiße nicht aufgeklärt ist, jeder *migrantisierte Mensch in Deutschland Gefahr läuft, Opfer von Gewalt- oder Mordanschlägen zu werden, wirkt auch irgendwie nur halbgar – diesen Status Quo haben wir ja sowieso schon, und zwar ohne viel Zutun (sei es nun von oben, unten, außen oder innen).

Yvonne Boulgarides, Ehefrau des erschossenen Theo Boulgarides, hielt am 13. April diesen Jahres in München anlässlich der antifaschistischen Demonstration zum Auftakt des NSU-Prozesses in München eine Rede:

„Ich wünschte, alle autorisierten Stellen würden mit Nachdruck dafür sorgen, dass die zur lückenlosen Wahrheitsfindung benötigten Fakten und Beweise zur Vefügung gestellt würden. (…)

Müsste ich jedoch ein Statement abgeben, dann am liebsten mit einem Zitat von Albert Einstein: „Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen.““ (Quelle)

Was auf jeden Fall fehlt: Demonstrationen. Aufruhr. Mehr Empörung. Fragen. Was bis dahin bleibt: Schande.

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4 Gedanken zu „Was bleibt: Schande.

  1. Suse sagt:

    Nach dem, was ich sonst so über den Auftritt von Mutter Böhnhardt gelesen und gehört habe, ist sie jetzt allerdings nicht gerade die Mutter der glaubhaften Aussage, sondern im Wesentlichen darum bemüht, ihren armen Jungen reinzuwaschen. Der glaube ich kein Wort, auch nicht, wenns mir ins Weltbild passt.

  2. Sabine sagt:

    Ein Mitläufer der rechten Szene wollte vor dem Staatsschutz am Nachmittag zur NSU aussagen und ist noch am Vormittag in seinem Auto verbrannt…das war im September.

    http://www.berliner-zeitung.de/neonazi-terror/nsu-prozess-wichtiger-zeuge-im-auto-verbrannt,11151296,24474928.html

    Die ganze Sache bekommt langsam ein Geschmäckle…

    Die Wahrheit werden wir wohl nie mehr erfahren, dazu sind schon zuviele Akten und jetzt auch Zeugen vernichtet wurden. Da hängt wohl der Staat selbst bzw. Teile des Polizei-Apperats mit drin.

    Niemand der jetzt noch etwas weiß wird sich der Gefahr aussetzen Selbtsmord zu begehen.

  3. […] Zwischen 2000 und 2007 konnte der NSU zehn Menschen ermorden. Der Prozess läuft immer noch, auch wenn viele diesem mittlerweile kaum noch Aufmerksamkeit schenken. An den Strukturen, die alles mitermöglichten hat sich nichts geändert. Wie Nadia schon im letzten Jahr schrieb: Was bleibt: Schande. […]

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