Revenge-Tracks im Heten-Pop: Lass ihn bluten!

Mit Musik eins auf die Mütze: Beyoncé ist nicht die einzige Künstlerin, die ihren Rachefantasien zum Thema ihrer Songs macht. Diese Popstars zeigen und zeigten, wie aus gescheiterten Heten-Beziehungen viel Geld generiert wird.

Als ich sehr jung war und weder Geld noch irgendeine Ahnung von Heten-Liebe hatte, nahm ich meine letzten dreißig Mark in die Hand und kaufte in einem Supermarkt das Album „Jagged Little Pill“ von Alanis Morissette. Ich lebte damals ein Teenagerleben in einem mittelgroßen Dorf und dank Musikfernsehen war auch zu uns durchgedrungen, dass es da so eine neue Sängerin aus Kanada gab, die unter anderem ihren Exfreund in einem Track mal so ordentlich lang machte.

Mich erstaunte, dass ich einerseits in einem Ort leben konnte, in dem pünktlich zur Abenddämmerung die Bürgersteige hochgeklappt wurden, andererseits aber via „You Oughta Know“ mitverfolgen konnte, wie Alanis auf einem untreuen Boyfriend rumhackte. Man sollte es sich eben nicht mit einem zukünftigen Popstar verscherzen, das lernte ich schnell!

So schlau wie ich waren und sind aber nicht alle Menschen – schon gar nicht so mancher Cis-Dude, der mit einer weltberühmten Musikerin verbandelt oder sogar verheiratet ist. Alanis hält bis heute bedeckt, wer der „You Oughta Know“-Loser auf ihrem Multi-Millionen-Dollar-Album ist, doch glücklicherweise gibt es noch andere Pantoffelhelden in Musikbusiness-Paarbeziehungen, die vor großem Publikum eins ordentlich auf die Mütze bekommen haben.

Die Meisterin aller Killer-Revenge-Tracks ist dabei unbestritten Queen Bey. Ehemann Jay Z hätte eigentlich schon damals bei Beyoncés „Irreplaceable“ genau hinhören sollen: Wenn der Mann nicht spurt, werden seine Sachen zusammengepackt, und zwar „in the box to the left“, und dann: Ciao, Amigo! Queen Bey „can have another you in a minute!“ Und falls sie doch noch gnädig ist, schmeißt sie den Mann nicht raus, sondern schreibt einfach ein ganzes Revenge-Album. Das nennt sie dann „Lemonade“, verdient ganz viel Schotter damit und verzückt die ganze Welt.

Das Heten-Revenge-Album ist viel besser als so ein Quatsch wie der „Revenge-Body“, also wenn die Exliebschaft mittels körperlicher Selbstoptimierung neidisch gemacht werden soll: Zum einen können ganz viele Leute wunderbare Musik hören, zum anderen können die Urheberinnen der Rache-Platten ordentlich Geld verdienen . Revenge-Alben sind quasi das „The Craft“ des Popbusiness, nur ohne Spuk und Hokuspokus und ohne Fairuza Bals als Nancy.

Doch nicht immer gibt es ein Happy End. Die „Back To Black“-Historie von Amy Winehouse zum Beispiel erzählt eine eher traurige Geschichte. Zwar ist ihr Magnum Opus gleichermaßen ein Meisterwerk und Mittelfinger gegenüber ihrem ehemaligen Lover, Blake Fielder-Civil, blöderweise lockte aber ihr Super-Duper-Erfolg auch den Hohlbrot-Ex wieder zu ihr zurück. Wie die Geschichte dann weiterging, ist allgemein bekannt – leider. Manchmal kann der Revenge-Track halt auch die Goldgräberstimmungeines eines durch das jeweilige Album besudelten Mannes hervorrufen.

So geschehen auch bei Popstar Adele, wobei die Geschichte aber zum Glück positiv ausging: Auch sie nutzte das Ende einer Beziehung und den damit verbundenen Liebeskummer, um ihrem Ex mal ein paar wichtige Lektionen zu erteilen. „See how I leave with every piece of you, don’t underestimate the things that I will do!“, sang sie zum Beispiel in „Rolling In The Deep“. „Verdammt!“, dachte sich der ehemalige Boyfriend wahrscheinlich, als er merkte, dass Adele mit ihrem formidablen Album „19“ einen unfassbar großen Hype auslöste – und so versuchte er peinlicherweise auch noch Geld einzufordern, da er ja die „Inspiration“ für viele Titel des Albums gewesen sei. Gott sei Dank hat er nie auch nur einen Penny gesehen.

Überhaupt sollte es ja andersrum sein, nämlich, dass die von der nervigen Beziehung oder auch dem belastenden Beziehungsende belästigte Frau am Ende monetär entschädigt wird. Wie das gehen könnte, macht gerade Mariah Carey vor: Sie möchte Schadensersatz für die gescheiterte Beziehung von ihrem schwerreichen Exverlobten James Packer, und zwar schnöde fünfzig Millionen Dollar. Unter anderem haben ein Umzug und zugunsten der Beziehungszeit gecancelte Konzerte Careys Einnahmen, die sie ohne den Schleimbarden gehabt hätte, empfindlich geschmälert. Nun soll der Alte zahlen. Richtig so, finde ich! Und wenn alles gut läuft, kriegt sie am Ende nicht nur die Knete, sondern wir hören noch die ganze Geschichte auf dem neuen Mariah-Album. Weil sie es verdient! Und wir auch.

[Dieser Text erschien zuerst im Missy Magazine #1/2017.]

Getaggt mit , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: