„Ich finde Feminismus doof, aber ich mag Toastbrot.“

Ich bin Feministin. Ich bin überzeugt und sehr gerne feministisch. Damit stehe ich nicht ganz alleine da, und das ist schön. Und es gibt natürlich Menschen, die mögen Feminismus nicht so gerne. Manche hassen ihn sogar. Manche zeigen ihre Abwehrhaltung ganz direkt, manche eher latent. Viele haben nur ein diffus-ungutes Gefühl wenn es um Feminismus geht und können nur so halbgenau sagen, was sie stört. Und für all die habe ich hier mal ein kleines Handout vorbereitet – mit den besten Gründen gegen Feminismus. Weil ich finde, wenn schon, denn schon. So, also dann, aufgepasst und mitgeschrieben, es geht los:

  • Ich finde Feminismus doof, weil ich finde dass sämtliche rechtliche Benachteiligungen von Frauen doch schon längst beseitigt sind.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich schon ein paar Mal Alice Schwarzer im Fernsehen gesehen habe.
  • Ich finde Feminismus doof, weil er nicht berücksichtigt dass auch Männer ganz oft Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind (Sorgerecht, Wehrpflicht, Sterben in Kinofilmen etc.).
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich Diskussionen im Netz mit so genannten Feminist_innen doof finde.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich Chancengleichheit wichtiger finde als Ergebnisgleichheit.
  • Ich finde Feminismus doof, weil er m.E. schädlich für das friedliche Zusammenleben der Geschlechter, die Entwicklung der Gesellschaft und den Planeten insgesamt ist.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich ihn einfach so doof finde.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich finde dass meine eigene Erfahrung mehr zählt als die Strukturen der Gesellschaft.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich die Menschen die da mitmachen total nervig und aggressiv finde.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich befürchte, dass jede_r der_die da mitmacht irgendwann automatisch hässlich wird.
  • Ich finde Feminismus doof, aber ich mag Toastbrot.
  • Ich finde Feminismus doof, weil Feminist_innen mit ihren ganzen Unterstrichen die deutsche Rechtschreibung kaputt machen wollen.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich nicht glaube dass das mit dem Männerhass bei denen nur ein Mythos ist.
  • Ich finde Feminismus doof, weil mir ein kritischer Geschlechterdialog zu anstrengend ist.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich Patriarchat nicht doof finde.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich Macht- und Arbeitsteilung langweilig finde.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich das Gefühl habe bei denen in der Clique darf nicht jede_r mitmachen.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich bis heute nicht verstanden habe dass Feminismus keine Clique, sondern ein Sammelbegriff für heterogene Strömungen ist.
  • Ich finde Feminismus doof, weil ich… oh, ein Eichhörnchen.

[Postscriptum: Oft bemängelt wird die fehlende Anschlussfähigkeit, das exklusive Moment feministischer Zusammenschlüsse. Die unzähligen Versuche, dagegen anzuarbeiten, enden jedoch nicht immer glücklich – selbst bei guter Intention. Counter-Culture ist eben eine Gegenbewegung und kein gemütliches Daunenkissen im Mainstream. Dazu gab es in der letzten Woche noch zwei sehr interessante Texte, einmal zum „Flauschfeminismus„, und zum Versuch, sich vom Einzelfall zum empirischen Beispielmodell für die Allgemeinheit zu stilisieren („Aber, ich als Frau…“).] 

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18 Gedanken zu „„Ich finde Feminismus doof, aber ich mag Toastbrot.“

  1. …so ne Aufzählung – könnte man eigentlich auch evtl. je Satz/Zeile/Position (un)LIKE-n …und dann in verschiedenen Farben so. Oh – genau das versuche ich heute über javascript und php zu machen.
    Und den Titel finde ich genial, echt. „ToastBrot“ – die Frau als Untersatz für SchrittbrettFahrer? (naja, so long, s.)

  2. Johannah Lea sagt:

    nice! habe herzlich gelacht, vielen dank! 🙂

  3. Ich finde Feminismus doof (um mal im Muster zu bleiben) weil ich mich davon manchmal mehr auf mein Geschlecht reduziert fühle als normal

    Ich finde Feminismus doof weil er mir das Gefühl gibt, eine schlechte Frau zu sein wenn ich mich rollenkonform verhalte

    Ich finde Feminismus doof weil ernsthaftes Interesse von einem anderen Standpunkt aus oft mit Dummheit oder Trollen gleichgesetzt wird

    • Hans-Peter sagt:

      So sehe ich das, als Mann, auch.

      Ich finde Feminismus „doof“ weil es eine Sündenbock Ideologie ist, in der der Mann für alles Übel der Welt verantwortlich gemacht wird..

      Besonders letzter Punkt von dir kann man leider immer öfters in Blogs finden.
      Wahrscheinlich bin ich auch ein Troll wenn ich fordere Behauptungen auch zu beweisen.

  4. Robin Urban sagt:

    Das war genau das, was ich gebraucht habe. Danke!

  5. Danke! Mache mir über das Thema noch nicht allzulang wirklich ernsthafte Gedanken. Die Aufzählung beschreibt aber sehr gut, was ich um mich rum beobachte, wenn ich das Thema anspreche. Also nochmal danke!

  6. NeoVG sagt:

    Ich finde Feminismus doof, weil alle meine Berührungen mit Feminist_innen bisher so konstruktiv verlaufen sind wie die mit Veganern, Homöopathie-Fans und Zeugen Jehovas.
    Alle waren ziemlich von der moralischen Überlegenheit ihrer Meinung / Lebensstil / whatever überzeugt und wollten nicht darauf eingehen, warum das denn für alle oder zumindest einen Großteil der Menschen gelten soll.
    Der Beitrag passt auch recht gut in das Bild: Teilweise vernünftige und diskussionswürdige Argumente (die aber eher als lächerlich, klischeehaft oder wieauchimmerihrdasnennt gedacht waren) vermischt mit Witzargumenten, welche wohl die Irrelevanz der anderen unterstreichen sollen.

    Schönen Gruß,
    NeoVG
    dessen Freundeskreis aus cis-Männern, cis-Frauen, Transgendern und anderem besteht, dessen Firma in der IT-Branche keine Quote hat, sondern nach Können und Sympathie auswählt, der von Beautywahn nichts hält aber es ok findet dass seine Freundin mit ihrem Traumjob Friseurmeisterin mehr Geld verdient als er und der nicht verstehen kann, wo durch Ü-Eier für Mädchen und Lego für Jungens großer Leidensdruck entsteht und warum es schlecht ist, dass er sich für Lokomotiven und Computer, seine Freundin aber für Klatsch&Tratsch und Schuhe interessiert.
    (Ach und dem bisher keiner erklären sollte, was das alles soll warum man „jemensch“ schreiben sollte, obwohl in „jemand“ gar nicht „Mann“ vorkommt)

    PS: Ich wäre froh, wenn sich Freundinnen etwas mehr für Killerspiele, Programmieren und so Zeug interessieren würden, aber sie wollen einfach nicht. Und finden das noch nicht mal schlimm, obwohl sie ja zwangsweise so sozialisiert wurden und blah.

    • *dessen Firma in der IT-Branche keine Quote hat, sondern nach Können und Sympathie auswählt*

      Und wieviele Frauen waren sympathisch genug bei euch mitmachen zu dürfen?

      *der von Beautywahn nichts hält aber es ok findet dass seine Freundin mit ihrem Traumjob Friseurmeisterin mehr Geld verdient als er*

      Warum auch nicht? Zudem dürfte sie damit klar die Ausnahme von der Regel sein, wenn man sich die Stundenlöhne typisch weiblicher Traunjobs anguckt.

      *wo durch Ü-Eier für Mädchen und Lego für Jungens großer Leidensdruck entsteht*

      Da dürften ein paar Stunden Beschäftigung mit Pädagogik abhelfen. Stichwörter Sozialisation, Rollenverhalten und förderndes Spielzeug.

      *warum es schlecht ist, dass er sich für Lokomotiven und Computer, seine Freundin aber für Klatsch&Tratsch und Schuhe interessiert.*

      Ausschließlich?

      *Ich wäre froh, wenn sich Freundinnen etwas mehr für Killerspiele, Programmieren und so Zeug interessieren würden, aber sie wollen einfach nicht.*

      Mal so als Tip, es gibt total viele Frauen die sich auch für andere Sachen als Schminke etc. interessieren, einfach mal ansprechen, bzw. danach Ausschau halten. Die findet man nämlich nicht, wenn man das Mindset „Frauen interessieren sich nur für Schuhe weil wegen Natur“ hat

  7. […] die bereits beim Wort Feminismus diffus zucken hat sie sogar ein Handout – mit den besten Gründen gegen den Feminismus- […]

  8. TochterEgalias sagt:

    Sehr schön! Gefällt mir 🙂

    Achso und:
    Ich finde Feminismus doof, weil ich den Sinn dahinter einfach nicht verstehe und auch gar keine Lust habe weiter darüber nachzudenken. Und außerdem waren Frauen und Männer schon immer so!

  9. Noro sagt:

    Ich hätte es für meinen Teil sehr passend gefunden, wenn zu der Liste an Gründen gegen Feminismus jeweils noch Erläuterungen gestanden hätten, denn so sind sie ambivalent.
    Denn natürlich gelten einige der Argumente gegen Teilströmungen (die du ja selbst beschrieben hast) des Feminismus. So ist zB. 2. vollkommen ausreichend um gegen den Feminismus der „Emma“ und Schwarzers zu sein.
    Warum das aber nicht der gesamte Feminismus ist und warum Feminismus-Kritiker(dings) dieses Argument nicht als alle Feminist(dings) beziehen sollten, das steht da nicht.
    (das ist ein Beispiel und möchte als Teil–des-Ganzen gesehen werden)
    Menschen, die also tatsächlich nicht mit dem gesamten Feminismus konform sind, werden sich von diesem Post also nur verarscht fühlen. Feminist(dings) werden sich von dem Post bestätigt fühlen und noch mehr von oben herab auf nicht Feminist(dings) blicken. Alles in allem kommt das dem „Überzeugungs- und Verbesserungswunsch“ des Feminismus aber garnicht zu gute, weil so nur alle weiter auseinander getrieben werden.
    Menschen, die also noch irgendetwas von da oben bestätigen können, oder aus anderen Gründen gegen Feminismus (oder das was sie davon wahrnehmen) sind, werden hierdurch abgeschreckt.

    Auch ist mir aufgefallen, dass unter den Punkten oben kein diskutierbarer Grund ist, was natürlich so gewollt ist, aber ebenfalls nicht produktiv, deshalb schreib ich mal kurz was ich meine.

    – Ich könnte Feminismus doof finden, weil er dazu aufruft möglichst geschlechtsneutrale Wörter (bzw. alle Geschlechter umfassende) zu nutzen und sich in der Selbstbezeichung eindeutig zu einem Geschlecht bekennt und (da es sich um ein binäres handelt) das andere Geschlecht als „Gegner“ („Maskulinismus“) wahrnimmt. Aufgrund dieser Tatsache könnte ich mich als (Dings) mit männlichem Körper als ausgeschlossen empfinden, obwohl auch ich unter Diskriminierung, Normativität, etc. leide.

    Ich finde Feminismus trotzdem nicht doof, weil ich Feminist(dings) kenne, die sich darüber bewusst sind, dennoch den Namen nicht ändern möchten, um die vor über 100Jahren begonnene Veränderung hin zur Gleichberechtigung, welche zu Beginn zwar ebenfalls zu unrecht aber verständlicherweise „Feminismus“ hieß am Leben und in Erinnerung zu halten. Das wichtige dabei ist, dass sie es verstehen, warum ich das unschön find.

    – Ich könnte Feminist(dings) doof finden, weil sie dauernd Wörter wie „Kackscheiße“ verwenden und das nicht gerade Konstruktiv ist, weil es nicht zwischen „unüberlegt“, „bewusst“, „zufällig“, „fehlgeleitet“ und was auch immer differenziert.

    Ich finde Feminist(dings) trotzdem nciht doof, weil ich weiß, dass sie auch nur fehlerhafte Menschen sind.

    – Ich könnte Feminismus doof finden, weil es Feminist(dings) gibt, die rummeckern, wenn in einer Vereinigung (welcher Art auch immer) bei vlt. 16% Frauen in einem 7 Personen Vorstand (welcher Gliederung auch immer) mal keine Frauen dabei sind.

    Ich finde Feminisimus trotzdem nicht doof, weil mir bewusst ist, dass die Tatsache, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von (in dem Fall) 27% der optimale Vorstand in dieser Vereinigung nur aus Männern besteht, für die meisten Feminist(dings) dem „Symbol setzen“ untergeordnet ist, oder sie sich (wie ein großteil der Gesellschaft) damit brüsken nichts von Mathematik zu verstehen (wobei dann wieder die letzte Begründung zählt).

    – Ich könnte Feminismus doof finden, weil viele Feminist(dings) andere Feminist(dings) als nicht Feminist(dings) bezeichnen, die was gegen Quoten haben, weil die je nach Höhe der Quote und Zusammensetzung der Vereinigung immer nur immer wieder in anderer Höhe für Ungerechtigkeit sorgen und auch sonst nicht wirklich in Richtung „Geschlecht ist irrelevant“ ziehen.

    Ich bin mir dennoch bewusst, dass ich mich als Feminist(dings) bezeichnen kann, weil Feminismus für mich Arbeiten für das Ziel der Gleichberechtigung/Ungleichbehandlung(im Sinne von jedem als Einzelperson was für ihn gut ist und nicht alle aufgrund eines Merkmals gleich)/Diskriminierungsfreiheit etc. ist und ich mich genau dafür einsetzen möchte.

    Was ich damit im Gesamten aussagen möchte:
    Selbstkritik bindet aneinander (was dein Post auch tut) und schafft bei allen „anderen“ Respekt und Verständnis (was dein Post in keiner weise tut) und führt eventuell zu einer Verbesserung (was dein Post nicht wirklich tut).

    Und nur zur Absicherung, falls irgendjemand diesen Post auf das (Dings) herunterbrechen möchte: Dass ich alle Menschen meine sollte bewusst sein, das (Dings) dient nur dazu dazu anzuregen darüber nachzudenken, inwieweit das eigene Geschlecht relevant ist – ich zB. fühle mich weder von „-er“/“_“/“-in“ angesprochen, da alles drei Zugehörigkeit zu irgendeinem Geschlecht impliziert und zudem alle drei exklusiv sind, die anderen also ausschließen. Da mir mein psych. Geschlecht ziemlich Rille ist fände ich es einfach seltsam eine Bezeichnung zu nutzen, die mich selbst nicht einschließt.

    Grüße und viel Erfolg
    Noro

  10. m sagt:

    ich finde feminismus, deinen artikel und insbesondere wörter wie kackscheiße super! es ist schlimm, dass es so viel sexistische kackscheiße gibt, und genau darum tut es mir gut, grade als frau*/mädchen* das genau so zu benennen!

  11. Hans-Peter sagt:

    Mich würden mal die rechtlichen Benachteiligungen in Deutschland!von Frauen intressieren. Welche sollen das denn konkret sein?

    Gesetzliche Benachteiligun von Männern gibt es zigfach, aber hast du auch nur ein Beispiel! dafür das Frauen gesetzlich benachteiligt sind?

  12. Hans-Peter sagt:

    Ach und wieso vermischt du berechtigte Anliegen (Wehrpflicht Sorgerrecht) mit solchen banalen Sachen wie „sterben in Kinofilmen“?

    Willst du dich darüber lustig machen oder machst du dich über die lustig die das tatsächlich anführen? Das kommt nicht so ganz rüber wie es gemeint ist.
    MFG

  13. Vagina dentata sagt:

    Mir gefällt der Beitrag leider nicht (was ich persönlich von Ferminismus nicht behaupten kann). Ich nehme an, dass das hier alles witzig gemeint ist, mit einem Beigeschmack von hippness ? Aber ist sowas wirklich witzig oder hip? Statt auf Argumente (seien sie subjektiv noch so bescheuert) respektvoll einzugehen oder umzugehen werden sie despektierlich ins lächerliche gezogen. Eine Art Troll-Feminismus? Schade! So prägt dieser Artikel doch leider eher Feminismus als intolerante Truppe voller elitärer Hardliner_Innen, die weder konstruktiv noch respektvoll mit Kritik umgehen kann und somit nicht wirklich ernst zu nehmen ist.

  14. […] gab viel Schabernack, und mit der Zeit konnten ich vor vielen meiner Leser_innen auch nicht mehr mein exzessives […]

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