Archiv der Kategorie: Toss that ham in the fryin` pan

Sonntagabendtalk: Wie tief ist der Jauch(e)-Sumpf?

Sie haben den Tatort gesehen. Sie fühlen sich wie frisch von der Polizeiakademie abgegangen. Im Anschluss gucken Sie sich den NSU-Talk bei Jauch an. Sie wissen nun, Sie sind praktisch grad von der Poliezeiakademie abgegangen. Sie können einen Aktenvernichter bedienen. Sie sind für eine Tätigkeit beim Verfassungsschutz qualifiziert, geradezu prädestiniert. Es geht um die Neo-Nazi-Morde. Welches Wort darf dabei nicht fehlen? Islamisten. Jauch muss auf Meli Kiyaks Background zu sprechen kommen. Er sagt: Einwanderungsgeschichte. Fragezeicheneffekt sehr hoch. 182 Todesopfer rechter Gewalt seit 1990. Zum Glück werden in Deutschland die Salafisten beobachtet. Weiterlesen

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Critical Whiteness und das Ende der Sektstimmung

Katrin Rönicke betreut beim FREITAG ihre Bildungskolumne. Dort hat sie just ein Buch vorgestellt, das sie einige Zeit beschäftigt hat: Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiß“. Sows Buch entfaltet das Thema „Alltagsrassismus“ anhand vielzähliger und diverser Beispiele – es ist ein Buch, das keinen methodologischen Regeln im akademischen Sinne folgt. Und das muss es auch nicht. Das Werk bewegt sich außerhalb des Paradigmas, das institutionalisiertes Wissen nur mit dem exakten Stempel durchwinkt. Und das ist wahrscheinlich sehr gut so. Die Empirie ist stark, und es gelingt aufzuzeigen, wie sehr Rassismus und Alltagsrassismus sämtliche unserer Strukturen durchziehen: Mikromechanismen werden sichtbar. Es wird klar, dass Rassismus in unserem Land kein Problem irgendeines Zentralapparates ist, der sich mit einer bestimmten Intention für seine Ausübung entscheidet, sondern dass er in jeder Ecke unserer Gesellschaft heimisch ist. Ü-ber-all. In jeder Faser des Alltags. Weiterlesen

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Zur Mär vom spaßbefreiten Feminismus sage ich: Wir sind lustiger als Ihr.

[Triggerwarnung: Clown-Bild. Finden Stephen-King-Geschädigte manchmal eklig (Tatsache). Kann auch bei spassbefreiten Feminismus-Kritiker_innen zu Unbehagen führen.]

„Feminist_innen verstehen keinen Spaß.“ Immer wenn (meistens) man(n) nicht weiter weiß, wie mit den Feminist_innen da draußen verhandelt werden soll, wird dieser Satz auf den Tisch gepackt. Immer wieder. Meistens natürlich von Schlaftabletten, die selber so viel Humor haben wie Xavier Naidoo wenn er singt oder wie Susan Stahnke bei ihrer öffentlichen Darmspiegelung.

Ich für meinen Teil habe diese Killer-Argument schon etwa hunderte Male gelesen, heute aktuell mal wieder bei „Promiflash„, beim Daniel. Und letztens bei Marcel von Amy&Pink – in einem Text wohlgemerkt, in dem eigentlich nicht ein guter Joke drin war (ich habe einen mit der Lupe gesucht, ich habe einen gefunden, aber der kommt zum Schluss).  Weiterlesen

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Homophober FOCUS: „Je größer das Publikum, desto dümmer für gewöhnlich die Rede.“

Anlässlich des homophoben Ausrasters im FOCUS, kompetent zusammen gefasst von queer unter Bezugnahme auf dieses Zitat des Debattenressort-Willys Michael Klonovksy…:

„Homosexuellen-Probleme sind in der letzten Zeit in der Öffentlichkeit ausgiebig behandelt worden. […] Angesichts der Tatsache, dass die Probleme der Schwulen und Lesben für die Zukunft dieser Republik eher sekundär sind, vielleicht zu ausgiebig. […] Es ist […] nicht einzusehen, warum sich die heterosexuelle Mehrheit auch noch auf dem Fußballplatz mit schwulen Coming-outs beschäftigen soll. Die Grenzen der gebotenen Toleranz sind erreicht, wenn sie in Belästigung umzuschlagen beginnt.“

… habe ich mir erlaubt, hier nochmal ein Potpourri der schönsten Klonovksy-Verse zu sammeln und zu kommentieren. Sie alle sind – dem Autor sei Dank – auf seiner Webpräsenz zu finden, bestechen durch schlichte Botschaften und sind allgemein auf ihre ganz eigene Art merkwürdig faszinierend. Lange Rede, kurzer Sinn, here we go:

  • „Ein Emanzipationskollektiv von echtem Schrot und Korn hält sogar den Ekel, den es auslöst, für Diskriminierung.“ [Wird mir irgendwie ganz gruselig wenn ich mir grob vorstelle, welches Emanzipationskollektiv sie da meinen könnten.]

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Schulternklopfen für die Opfer

[Anmerkung: Wir – accalmie, Sabine und Nadia – haben den vorliegenden Text gemeinsam verfasst, um nochmal für uns die MMwird5-Vorfälle und deren Nachwirkungen zu rekapitulieren. Wir sind, falls das so gelesen werden könnte, nicht „die Stimme der QT*PoC“ oder von sonstwem. Wir sprechen nur für uns – weder für alle WoC noch PoC, die auf der MMwird5-Party anwesend waren, noch für alle anderen.]

Ironie schlägt oft dann zu, wenn man sie am wenigsten erwartet – das gilt zugleich für die MMwird5-Party letzten Samstag, als auch für deren „Nachspiel“ der vergangenen Tage.

Ironie Eins schlug zu, als die sich selbst als anti-rassistisch und rassismus-kritisch verstehende Mädchenmannschaft (MM) auf ihrem ebenso definierten und postulierten Event den Sl*twalk Berlin einlud, und im Zuge dessen auf (zu erwartende) rassistische „Vorfälle“ nicht adäquat reagierte, geschweige denn selbst daran dachte, sich bei Panelist_innen und Künstler_innen auch mal persönlich zu entschuldigen – und zwar dafür, dass eine Situation hergestellt und geduldet wurde, die den Abbruch der Diskussion, Sows Absage ihres Konzerts und ein Spontan-Panel von WoC nach sich ziehen musste. Ein Spontan-Panel, das für alle überraschend kam, und das wir Bullshit-Bingo genannt haben: Bingo mit Herzblut. Das Podium war eine nachträgliche Intervention, weil der Raum dafür zuvor nicht vorhanden war.

Ironie Zwei hingegen schlug in den letzten Tagen zu, als wir, drei der fünf WoC-Panelistinnen beim Event und selbst Mädchenmannschafts-Autorinnen mit unterschiedlichen Involviertheitsgraden, uns dann mit grundlegenden Problemen von „calling out“-culture und Stellvertreter_innen-Antirassimus konfrontiert sahen bei vielen der Reaktionen auf die unbestrittenen Fails bei der MMwird5-Party und den ersten Reaktionen der MM auf diese. Wie auch die nun veröffentlichte Stellungnahme und Entschuldigung weißer MM-Autorinnen erwähnt: die MM ist nicht die weiße Einheitsfront, zu der sie in den letzten Tagen stilitisiert wurde.

Noch wichtiger: Mit der Annahme, man könne für „die armen PoC“ bei der Mädchenmannschaft oder sonstwo sprechen als weiße Person, sind keine Kekse zu gewinnen. Ein_e weiße_r Antirassismus-Verbündete_r zu sein bedeutet nicht, zu glauben, für PoC sprechen zu können, sondern Unterstützer_in zu sein und – besonders hier elementar – sich auch an die eigene Nase zu fassen.  Doch die eigene Nase ist nur schwer erreichbar, wenn man primär mit dem Bauchreden für Andere beschäftigt ist. Weiterlesen

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Vogue: Der Teufel trägt Plastiktasche

Die deutsche Vogue hatte die Spitzenidee, in der Oktober-Ausgabe arschteure Handtaschen mit Models im Obdachlosen-Look zu präsentieren. Das Grässliche an der Dekadenz, über die man sonst nur so schwafelt, wurde dabei – erwartungsgemäß – auf Bilder gebannt. Befremdliche Fotos, eine abstoßende ästhetische Inszenierung von Armut, die totale Respektlosigkeit vor obdachlosen Frauen. Doch wundert man sich?

Was soll ich sagen. Die Vogue, hach, wie sehr sie mich ja eigentlich gar nicht interessiert. Schon vor einiger Zeit holte ich mir eine zweite Meinung zum Hochglanzschrottblatt ein, und zwar bei der von mir sehr geschätzten Autorin Wäis Kiani:  „Die amerikanische Vogue ist als Stil-Instanz in keiner Weise mehr geeignet und höchstens als Werbefläche für Unrat, den die Welt nicht braucht, zu gebrauchen.“  Weiterlesen

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Adriano Celentano kopiert Woodkids „Iron“

Nah. Was ist denn das? Wer Woodkids Original kennt wird hier sein graues Wunder erleben.

http://www.youtube.com/watch?v=bRdy46xUNCo

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Der Alltagsrassismus des BMI: Das Gotham City der Nullchecker

Liebes Bundesinnenministerium, natürlich ist mir Deine bescheuerte Plakataktion aufgefallen. Die Poster mit den sichtbar muslimischen Menschen darauf, und dem Text unten drunter, der mir erklärt, dass die abgebildete Person vermisst wird. Da sie sich anscheinend gerade radikalisiert. Und vielleicht klopfen sich im BMI gerade alle auf die Schulter. Man hat zwar nach dem Faux Pas und dem ganzen Remmi-Demmi um diese Aktion nun als Kollateralschaden den Austritt der islamischen Verbände aus der „Initiative Sicherheitspartnerschaft“ zu verschmerzen. Aber vielleicht gelingt es jetzt doch nochmal für zwei, drei Schnappatmungen – im Zuge der Proteste gegen diesen hetzerischen Mohammed-Film – dieser beknackten Aktion Wichtigkeit, Bedeutung und Relevanz beizumessen. Schließlich wurde ja auch heute im Radio mitgeteilt, dass nun extra wieder und aus aktuellem Anlass „Salafisten“ beobachtet würden. (Hust. Hust. Hust.).

Glauben die Mitarbeiter des BMI eigentlich, Deutschland wäre das Gotham-City für Vollidioten Vollhonks? Und wenn es doch so sein sollte, ist ein Großteil der BMI-Mitarbeiter_innen dann nicht vielleicht selbst das beste Exempel für die größten Hohlbirnen vor dem Herrn?

Ist aber eigentlich auch scheißegal, denn das was ich sagen wollte ist: Ich vermisse gar nix, ich kenne keine Personen, die sich radikalisiert hätten oder kurz davor stehen. Viel eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir so jemand unterkäme, in etwa so groß wie die Möglichkeit, Home-Schooling-durchführende kreationistische Elternpaare aus der Nähe von Paderborn zu einer lockeren Diskussionsrunde über Darwins Thesen in meine vier Wände zu locken.

Neee, echt, mir geht nix ab, ich vermisse nicht mal sowas wie „kompetente Arbeit“ des BMI. Weil, ehrlich gesagt, das hab ich mir schon längst abgeschminkt. Ich kann mir pi mal Daumen vorstellen, wie Arbeit im BMI nämlich ungefähr aussieht, und zwar wahrscheinlich so: Kaffeerunde, ein bisschen Blabla, ein vermeintlicher Geistesblitz („Ha, sowas wie ´ne Anti-Radikalisierungskampagne!“), ein Keks und noch mehr Blabla, ein bisschen dümmliches Brainstorming („Die Leute auf den Postern müssen aber klar als muslimische Ausländer erkennbar sein, das ist wichtig!“), noch mehr Blabla, und dann noch sowas wie ´ne schnell eingeholte Absolution der islamischen Verbände („Wenn die ja sagen, dann ist das wirklich ´ne Spitzenidee, und dann kann auch keiner sagen wir würden irgendwie mit Ressentiments spielen!“). Liebes BMI, wie viele Deiner wichtigsten Hauptwürdenträger sind männlich, weiß, über 40, in der Hauptsache christlich sozialisiert? Weiterlesen

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„Ich finde Feminismus doof, aber ich mag Toastbrot.“

Ich bin Feministin. Ich bin überzeugt und sehr gerne feministisch. Damit stehe ich nicht ganz alleine da, und das ist schön. Und es gibt natürlich Menschen, die mögen Feminismus nicht so gerne. Manche hassen ihn sogar. Manche zeigen ihre Abwehrhaltung ganz direkt, manche eher latent. Viele haben nur ein diffus-ungutes Gefühl wenn es um Feminismus geht und können nur so halbgenau sagen, was sie stört. Und für all die habe ich hier mal ein kleines Handout vorbereitet – mit den besten Gründen gegen Feminismus. Weil ich finde, wenn schon, denn schon. So, also dann, aufgepasst und mitgeschrieben, es geht los: Weiterlesen

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Beschneidung: And all the Girls say I´m pretty fly for a white Guy

Liebe Menschen, und vor allem: Liebe nicht-muslimische Männer!

Ich will Euch mal eins sagen: Beschneidung ist so ziemlich das allerletzte Idiotenthema dieses Sommers. Es ist ein so dermaßen überflüssiges Vollhonk-Topic, dass ich mich schon in den Arsch dafür treten könnte dass ich es hier überhaupt erwähne. Aber ich mache es mal ganz schnell, denn es gibt eine Sache, die noch schlimmer, noch peinlicher ist als dieser ganze Quark für Nullversager: Nicht genug, dass wir schon seit Mooooonaten über ein paar Milimeter diskutieren die irgendwo abgesäbelt werden. Nicht genug, dass über Gewalt gegen Frauen nicht mal ansatzweise so viel debattiert werden würde. Nicht genug, dass das Ganze wieder eine Scheinstreiterei ist und außer Gehirnzellenlähmung dabei sowieso nix rumkommt.

Nei-hein, denn: Zusätzlich müssen nämlich noch sämtliche nicht-muslimische, oftmals weiße Typen ihren Pi…. äh Mann stehen, und auch noch ihren verblödeten Senf auf den ganzen Quatsch kippen. Weiterlesen

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